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Jinnai war ein Dämon. Ein sehr mächtiger seiner Rasse. Er wusste mit welcher Macht er geboren wurde, doch wusste er diese nicht richtig einzusetzen. Er traute sich nicht.
Lächerlich, nicht wahr? Ein so mächtiges Wesen war schlicht und weg zu verweichlicht. Er wollte nie gefürchtet werden von den niedrigeren Rassen, wie zum Beispiel den Menschen. Er wollte sich mit ihnen anfreunden, doch seinen Rasse setzte ihm einen Strich durch die Rechnung.
Ständig versuchte er seinen Bruder davon zu überzeugen in die Menschenwelt zu gehen, doch wurde er von ihm abgehalten. Die Gefahr war zu groß die Menschen zu verängstigen, sollten sie einem wahren Dämon begegnen.
Äußerlich ähnelte Jinnai mehr einem Menschen, als einem Dämon. Seine Augen waren eisblau – üblich für einen Dämon waren rote oder schwarze Augen – und seine Haut war blass, fast schon schneeweiß. Seine Haare strahlten in einem hellen Lila. Das Einzige was ihm von einem Menschen unterschied, waren seine nach hinten gekrümmten schwarzen Hörner die aus seinem Kopf ragten. Somit war er ein Außenseiter seines Volkes, weil er nicht so war wie die anderen.
"Jinnai, sei vernünftig!", "Sei kein Narr", immer und immer wieder musste er sich diese Worte nicht nur von seinem Bruder, sondern mittlerweile auch von anderen Dämonen gefallen lassen. Doch es reichte ihm.
Eines Nachts, wo es keiner bemerken sollte, schlich er sich aus dem Haus und machte sich auf den Weg in die Menschenwelt, welche über ein geheimes Portal zu erreichen war.
Als er durch das Portal stieg, kniff er seine Augen zusammen und als er sie wieder öffnete, blendete ihn die Sonne für einen kurzen Moment. Als seine Sicht klarer wurde, erkannte er eine weite Berglandschaft die sich vor ihm erstreckte. Begeistert und ungläubig sah er sich um und konnte in der Ferne am Horizont ein kleines Dorf erkennen.
Er machte sich auf den Weg zu dem Dorf und erkundete dabei seine Umgebung. Die Menschenwelt war viel heller und freundlicher als in seiner Welt voller Dämonen und Magie. Ein Gefühl von Geborgenheit überkam ihm und mit jedem Schritt den er tat stieg seine Aufregung.
Er konnte aus der Ferne eine Menschenmenge ausmachen, die um kleinere Stände herum verstreut waren. Es sah aus wie ein Dorffest. Er entdeckte einen bunt gekleideten Hofnarren, um den herum sich Kinder versammelt hatten und lachten.
Er bemerkte die Kopfbedeckung des Narren und realisierte dann, dass er zur Sicherheit seine Hörner verstecken sollte - für's Erste. So hob er seine rechte Hand, welche für einen Moment weiß zu leuchten begann und im nächsten Augenblick trug Jinnai dasselbe Kostüm wie der Hofnarr.
Die Kopfbedeckung verdeckte seine Hörner gerade zu perfekt und er lächelte stolz zu sich selbst.
Er machte einige Schritte nach vorne und trat dann aus dem Schatten der Häuser auf den Dorfplatz heran. Das Gelächter einiger Bewohner verstummte, als sie Jinnai erblickten und für einen kurzen Moment wuchs Panik in ihm.
Haben sie ihn Zaubern sehen? Wissen sie von seiner Existenz als Dämon?
All diese Fragen lösten sich in Luft auf, als einige Kinder zu ihm gelaufen kamen und ihn dabei fast umwarfen. "Du bist ja genauso bunt!", rief ein Mädchen lachend, während Jinnai ein Stück zurück stolperte. "Du siehst aber auch sehr hübsch aus, junge Dame", erwiderte Jinnai mit einem Lächeln.
Sein Volk wusste gar nicht was ihnen vergeht. Er genoss jetzt schon jede einzelne Sekunde die er bei den Menschen verbrachte, so bemerkte er gar nicht, wie schnell die Zeit verging und die Sonne sich langsam senkte.
Einige Besucher waren schon gegangen und es waren nur noch wenige, die die letzten Stände abbauten. Jinnai sah den Menschen hinterher und wünschte sich, er konnte noch länger bleiben. Doch er musste zurück, sonst würde sein Bruder Verdacht schöpfen.
So ging er zurück in seine Welt, doch dies sollte nicht sein letzter Besuch bei den Menschen gewesen sein. Nein, denn dies ging nun schon über 6 Monate, an denen er sich nachts aus dem Haus schlich und die Menschenwelt betrat.
Es war die beste Zeit in Jinnai's Leben, doch sollte sich das in einer Nacht schlagartig ändern. Als er aus dem Portal trat um in seine Welt zurück zu kehren, bemerkte er, dass der Himmel blutrot war und der Mond durch die Wolken hell erstrahlte.
Er spürte das etwas nicht in Ordnung war, abgesehen von dem blutroten Himmel war es noch immer Nacht. Zu der Zeit in der er aus der Menschenwelt zurück kam, sollte bereits der Morgen anbrechen, was nun nicht der Fall war.
Er eilte mit einem mulmigen Gefühl im Magen zu seinem Haus und sah das die Tür weit aufgerissen war und einige Fenster zersplittert waren. Er rannte die Treppe nach oben, vorbei an das verwüstete Untergeschoss und stolperte regelrecht in das Schlafzimmer seines Bruders.
Dort erblickte er seinen Bruder, doch seine Augen weiteten sich als er eine rote Flüssigkeit an dessen Händen erkannte. Es war Blut. Jinnai erstarrte vor Entsetzen und er tat einen Schritt nach vorn. Sein Bruder drehte sich zu ihm um und man konnte das wahnsinnige Grinsen in seinem Gesicht erkennen.
"Ah, da ist ja dieser besagte Jinnai von dem alle Sprachen. Und mein Wirtskörper hier scheint auch sehr besorgt um dich gewesen zu sein", hörte er die Stimme seines Bruders sagen. Nein, das war nicht sein Bruder. Seine komplette Aura hat sich verändert und seine Stimme war tiefer.
"Wer bist du? Und was hast du meinem Bruder angetan?!", Jinnai unterdrückte seinen Zorn und versuchte seine Anspannung seinem Gegner nicht zu zeigen. "Oh, wie unhöflich von mir, Verzeihung. Mein Name lautet Pharao Ustra. Ich bin der Herrscher des Goldenen Volkes." Sein Bruder – oder besser gesagt Pharao Ustra – neigte den Kopf respektvoll und ein schelmisches Lächeln zierte seine Lippen. "Ich hatte sowieso nicht vor diesen schwachen Körper zu behalten. Dein Körper jedoch strahlt förmlich vor starker Magie. Oh ja, du wirst einen guten Wirt abgeben."
Jinnai zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. Was meinte er mit Wirt? Und wieso war ausgerechnet sein Bruder von einem Pharao besessen? Er schob seine Gedanken schnell beiseite und hob drohend seine Hände, bereit seine Magie zu entfesseln. "Verschwinde aus dem Körper meines Bruders!"
"Oh, sicher doch", als er dies sprach, sah er wie der Körper seines Bruders kurz zuckte und er dann auf dem Boden zusammen sackte. Jinnai schrie seinen Namen und eilte an seine Seite. Besorgt kniete er sich neben ihn und musterte seine Gesichtszüge, doch bemerkte er nicht den riesigen Schatten, der aus dem Körper seines Bruders entwich und sich über ihn aufbaute.
Im nächsten Moment spürte Jinnai einen kalten Stich durch seinen Körper ziehen und sein Körper fühlte sich wie benommen an. Er sah wie sein Bruder die Augen öffnete und zu ihm hoch sah. "Jinnai, dieser Schatten... Er-", seine Worte erstickten, als er plötzlich einen Eiskristall in seiner Brust spürte und ihm der Schmerz und das Blut seine Lungen zuschnürten.
Jinnai stoppte mit seiner Handbewegung und blickte nun lächelnd auf seinen Bruder hinab. "Ist das nicht schade? Getötet vom eigenen Bruder, welch eine Tragödie." Ein dreckiges Lachen entwich seiner Kehle und er erhob sich. "Nun, meine Arbeit hier ist getan. Vielleicht sollte ich das Dorf hier zerstören um meine neue Macht ein bisschen auszutesten."
"Was? Was tue ich denn da? Nein! Ich will das nicht! Hör auf!", Jinnai sah durch seine eigenen Augen wie er seinen Bruder tötete, doch konnte er seinen Körper nicht kontrollieren. Er brach in Tränen aus und sackte verzweifelt zu Boden.
Was war geschehen?
War dieser schwarze Schatten dafür verantwortlich?
Hatte er von ihm Besitz ergriffen?
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Jinnai hob seinen Kopf, als er Schritte hörte, die auf ihn zu kamen. Um ihn herum war alles schwarz und er konnte vor sich eine verschwommene Gestalt erkennen, die langsam eine menschliche Form annahm.
Es war der Pharao, der vor ihm erschien. Mit erhobenen Kinn blickte er auf Jinnai hinab, als würde er ihn verspotten, ein triumphierendes Lächeln stets auf seinem Gesicht. "Da du mir so freiwillig deinen Körper überlassen hast, gebe ich dir die Gnade deine eigene Welt zu errichten, wie sie dir beliebt. Du kannst hier frei sein", sprach Ustra und beugte sich ein Stück runter zu ihm. "Denn das wird die einzige Freiheit sein, die du für den Rest deines Lebens bekommen wirst", er begann zu Lachen und verschwand dann genau so wie er auch erschienen ist.
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Wie viele Jahrhunderte war es nun her seitdem er seinen Körper an Ustra verloren hatte? Jinnai hatte aufgehört zu zählen und sich in seiner Gedankenwelt komplett abgeschottet. Ab und zu kam Ustra um mit ihm zu reden, erzählte so oft davon wie stark sein Körper doch war, doch Jinnai schenkte ihm keine einzige Sekunde seiner Aufmerksamkeit.
Den Pharao empörte dies, doch auch wenn er dem Dämon drohte seine aufgebaute Welt zu zerstören, interessierte ihn dies nicht. Für ihn hatte nichts mehr eine Bedeutung. Jahrhunderte musste er zusehen welch schändlichen Taten mit seinem Körper begangen wurden und er konnte sich nicht dagegen wehren.
Doch es gab einen Funken der Hoffnung, der in ihm wuchs als Ustra durch seinen Körper die 3 Vampire kennenlernte. Sie schafften es gegen Ustra anzukommen, selbst in seiner Götterform und er die Macht der Steintafel vollständig absorbiert hatte.
Die Vampire drohten dem Pharao ihn zu töten, doch dieser begann von Jinnai zu erzählen, als Versuch den Körper des Dämonen zu verschonen. Jinnai hingegen war es wie ein Segen. Der Tod sollte seine Erlösung sein. Die Erlösung jahrhunderter langer Gefangenschaft im eigenen Körper.
Doch sie entschieden sich dagegen, als sie die Möglichkeit entdeckten, Schattengeister zu absorbieren und Ustra von Jinnai's Körper zu trennen. Und so taten sie dies. Sie besiegten Ustra in ihrem letzten Kampf und begannen seinen Schattengeist zu absorbieren.
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Stunden – wenn nicht Tage – später erwachte Jinnai in einem Zimmer des Turms, welchen Ustra mit seiner Magie erschuf um die Vampire zu verspotten. Er öffnete seine müden Augen und richtete sich etwas unsicher auf dem Bett auf. Es war ein komisches Gefühl wieder die Kontrolle über seinen eigenen Körper zu haben, aber er war einfach nur noch erleichtert von Ustra's Gefangenschaft befreit zu sein.
Er stand vom Bett auf und ging zur Tür um nach den Vampiren zu suchen. Er lief den langen Flur entlang, bis er schließlich die rothaarige Vampirdame und ihren grauhaarigen Liebsten erblickte, die sich über etwas zu unterhalten schien.
Alaine war die erste, die Jinnai erblickte und ihn lächelnd zu sich winkte. Etwas zögerlich ging er zu den beiden und wurde von Valnar's Hand an seiner Schulter begrüßt. "Hallo Jinnai", begrüßte ihn Alaine nun ebenfalls lächelnd. "Seid gegrüßt ihr beiden", erwiderte der Dämon mit einem freundlichen Lächeln und seine Gesichtszüge entspannten sich dann wieder. "Ihr habt mit von der Gefangenschaft des Pharao's befreit. Ich weiß gar nicht wie ich euch danken s-", "Shh, es ist in Ordnung, Jinnai. Du brauchst dich nicht zu bedanken, wir haben nur das getan, was wir für richtig hielten", entgegnete Alaine mit einem traurigen Lächeln. "Und doch habe ich mit meinem Körper unzählige Menschen, Vampire und andere Lebewesen auf dem Gewissen. Meine Schuld ist unendlich." Jinnai's Kopf senkte sich, unfähig einen von den beiden in die Augen zu blicken. "Hör zu, Jinnai. Es ist nicht deine Schuld, es war Ustra der deinen Körper kontrollierte, dich trifft keine Schuld", nun war Valnar an der Reihe zu sprechen und er sah seinem Gegenüber mitfühlend an.
Jinnai hob seinen Kopf, als er Schritte hörte die sich auf die kleine Gruppe zu bewegten und seine eisblauen Augen trafen auf blutrote. "Na, wie geht es unserem Lilaschopf?", höhnte Asgar, doch seine Miene blieb ernst und er musterte mit einem schweifenden Blick den Dämon. "Es ist ungewohnt wieder in meinem eigenen Körper zu sein, nach so vielen Jahren." Er wandte sich wieder Alaine und Valnar zu, "Und ich werde all die Konsequenzen tragen, für die Taten die mit meinem Körper begangen wurden, das schwöre ich bis an mein Lebensende", Jinnai senkte seinen Kopf um zu zeigen, wie wichtig ihm seine Worte waren.
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To be continued...
