Work Text:
»Gut, dann war’s das von meiner Seite aus. Sie sind hiermit offiziell entlassen.«, sagte der Arzt.
Leo lächelte. »In Ordnung.«
»Passen Sie trotzdem etwas auf. Okay? Überanstrengen Sie sich nicht, Herr Kommissar. Der Tinnitus wird irgendwann wieder verschwinden. Wenn nicht, gehen Sie am besten einmal zum Arzt damit.«
Leo nickte. »Okay.«
Der Arzt schüttelte Leo zum Abschied die Hand, dann verließen die zwei gemeinsam das Krankenzimmer. Im Flur verabschiedeten sie sich voneinander und Leo ging rüber zum Fahrstuhl, um wieder nach unten zu gelangen.
Unten angekommen, wartete bereits Adam auf ihn. Als er Leo erblickte, erhob er sich vom Stuhl und ging zu Leo herüber.
Sie lächelten beide und ohne zu zögern nahm Adam ihn in den Arm. Leo spürte, wie sein Herz ganz aufgeregt klopfte und er vermutete, dass Adam genauso ging.
»Das wurde aber auch Zeit«, murmelte Adam, während er mit seiner Hand über Leos Rücken strich.
»Hab ja auch lang genug herumgelegen.«, antwortete Leo erleichtert. Er war wirklich froh, dass er heute die Klinik verlassen konnte und wieder nach Hause durfte - mit Adam inklusive, der bei ihm eingezogen war. Und er freute sich ehrlich darauf, wieder arbeiten zu können. Er vermisste Esther und Pia, er vermisste Henny, den Geruch von Kaffee im Büro und das Rätseln, wenn es darum ging, einen Fall lösen zu wollen.
Zu zweit gingen die beiden nach Draußen; dabei gingen sie so nah nebeneinander her, dass sich ihre Finger streiften und Leo war so kurz vor dem Drang, nach Adams Hand zu greifen.
Die Sonne strahlte heute und es waren keine Wolken am Himmel. Es war nicht mal wirklich kalt und Leo atmete die Luft ein und atmete glücklich wieder aus. Er hat wirklich diese Kleinigkeiten vermisst. Es war ganz gut, eine Weile nichts zu tun und sich zu entspannen, aber trotzdem war diese Lungenembolie absolut beschissen und Leo hat die meiste Zeit einfach nur geschlafen und nur leichte Sachen gegessen.
»Können wir heute Pizza bestellen? Ich vermisse wirklich Pizza.«, fragte er Adam, während sie zu Adams Wagen gingen.
»Alles, was du willst.«, antwortete Adam mit einem breiten Lächeln.
-
»Und die Pflanzen leben alle noch?«, wollte Leo wissen, während sie nach Hause fuhren; Adam am Steuer und Leo neben ihm, seine Hand um die von Adam.
»Alle noch lebendig.«, bestätigte Adam, er warf kurz Leo ein Lächeln zu, bevor er wieder seinen Blick auf die Straße warf. »Zuhause wartet übrigens eine Überraschung auf dich.«
Leo sah ihn verwundert an. »Wirklich? Was denn?«
»Das musst du schon sehen, ich verrate nichts. Sonst ist’s ja keine Überraschung.«, sagte Adam mit einem Schmunzeln.
Leo verdrehte lächelnd die Augen und beobachtete die Bäume, während er über Adams Hand strich.
Fünfzehn Minuten später erreichten sie das Mehrfamilienhaus. Sie öffneten die Eingangstür und blieben vor den Treppen stehen. Adam sah ihn an.
»Schaffst du die Treppen? Oder möchtest du lieber mit dem Fahrstuhl?«, fragte er ihn.
Leo betrachtete die Treppen und überlegte. Sie müssen in den dritten Stock. Normalerweise machte es ihm nichts aus, er benutzte den Fahrstuhl auch nur, wenn er schwere Einkaufstüten hatte, und sonst eben nicht.
Also entschied er sich dafür, lieber keine Treppen steigen zu wollen; er wusste nicht, wie viel seine Lunge jetzt aushalten konnte. Ihm ging es zwar besser und er fühlte sich wieder gesund, aber der Arzt hat immerhin gesagt, dass er aufpassen sollte. Er müsste kleine Schritte machen und testen, was sein Körper schon konnte.
»Fahrstuhl.«, erwiderte er schließlich.
Adam nickte. »Yes, sir.«
[...]
»Augen zu.«
»Was?« Irritiert sah Leo ihn an.
»Komm schon«, bat Adam, »mach die Augen zu, okay?«
Leo wollte wieder widersprechen, schloss dann aber den Mund und schloss brav die Augen. Er spürte, wie Adam behutsam nach seiner Hand griff. Er hielt schweigend Augen geschlossen, während Adam ihn führte.
Zehn Sekunden später blieben sie wieder stehen.
»Darf ich jetzt wieder gucken?«, wollte er wissen.
»Du darfst.«, bestätigte Adam.
Also öffnete Leo vorsichtig die Augen. Sie waren in der Küche - und sein Blick glitt zum Küchentisch. Er begann zu grinsen, als er seine Überraschung sah.
Adam hatte ihm seine Lieblingsschokolade geholt - die Merci Schachtel mit der Sorte Mandel. Auf der Packung klebte ein hellgrüner Klebezettel. Und da war eine Vase mit einem wunderschönen Rosenstrauß; die Rosen waren in den zarten orangenen und rosa Farbtönen und mit Schleierkraut und Eukalyptus geschmückt.
Adam ging rüber zum Küchentisch und griff nach der Merci Schachtel und drückte sie Leo in die Hand. Leo lächelte mit roten Wangen und las den Zettel.
Willkommen zuhause, Tiger. Ich hab dich vermisst.
- Dein Adam
Gott. Leo zwang sich zu schlucken. Seine Wangen waren immer noch heiß und er strich mit dem Daumen über Adams fein säuberliche Schrift. Dann legte er die Packung wieder auf den Tisch.
Er blickte Adam an, der ihn etwas verlegen musterte.
Ohne zu zögern, schlang Leo seine Arme um Adam und küsste ihn. Adam kicherte leise und erwiderte den Kuss sanft, aber glücklich. Leo lächelte in ihren Kuss hinein und er konnte fühlen, wie Adams Hände in seine Haare wanderten.
Es dauerte nicht lange und er spürte schnell, wie sich der Kuss in etwas intensiveres verwandelte; er öffnete seine Lippen und zwei Sekunden später spürte er Adams zaghafte Zunge und Leo atmete scharf ein.
Sie küssten sich so lange, bis sie keine Luft mehr bekamen, und dann lösten sie sich voneinander und Adam lehnte sich mit seiner Stirn gegen die von Leo. Er küsste Leos Stirn und Schläfe und Leo kicherte leise.
»Möchtest du jetzt Pizza oder-«
»Später. Heute Abend.«, entschied Leo im Flüsterton. »Ich brauche gerade nur meine Dosis Adam.«
Adam lachte leise und Leos Herz erwärmte sich im Sekundentakt.
»Du bist so kitschig, Hölzer.«, murmelte Adam und küsste Leo auf die Wange.
»Ja, na ja. Gewöhn dich dran.«, antwortete Leo leise und rieb mit seiner Nase gegen Adams Wange.
»Ich glaube, das wird leicht.«, überlegte Adam.
Er küsste Leo wieder und Leo vergrub seine Hände in den blonden Haaren des Mannes. Er seufzte zufrieden und glücklich auf.
Sie lösten sich wieder voneinander und Leo griff nach Adams Hand. Mit schnellen Schritten gingen sie in Leos Schlafzimmer.
Und genau dort blieben sie bis zum Abendessen.
-
»Gut, dass wir den ganzen Pfand gestern entsorgt haben«, dachte Esther nach, während sie den Blumenstrauß betrachtete, der auf dem Schreibtisch von Leo stand.
»Hast du schon etwas von Adam gehört?«, fragte Pia, die gerade ihr Hörnchen aß.
»Sind auf dem Weg.«
Während der Wartezeit tranken sie solange ihren Kaffee und Pia aß noch ihr zweites Hörnchen.
Zehn Minuten später spazierten Leo und Adam händchenhaltend ins Büro herein.
»Morgen«, grüßte Leo, der wirklich gut gelaunt gerade war.
Pia und Esther lächelten glücklich und erhoben sich von ihren Plätzen. Adam ließ Leos Hand los, damit Esther in vernünftig umarmen konnte.
»Willkommen zurück.«, sagte sie mit einem ehrlichen Lächeln und Leo lächelte glücklich zurück. Als sich Esther von ihm löste, hüpfte Pia praktisch in seine Arme und Leo kicherte leise, während er Pia drückte.
Als sich schließlich auch Pia von ihm löste, gingen sie beiseite und Leos Blick glitt sofort zu dem bunten Blumenstrauß, der auf seinem Tisch stand.
Er grinste und sah die drei an. »Wird das jetzt zur Gewohnheit? Dass hier immer Blumen verschenkt werden?«
»Adam hat ihn ausgesucht«, meinte Pia. »Er hat drauf bestanden.«
Leo schmunzelte und ging zu seinem Tisch herüber, um den aufgelockerten gebundenen Strauß aus Rosen, Nelken, Eustoma und Ranunkeln zu bewundern. Er spürte, wie Adam neben ihn trat und seinen Arm um Leos Hüfte legte. Leo sah ihn mit roten Wangen an.
»Du bist der Beste, weißt du das?«, murmelte Leo ehrlich. Er drückte sanft einen Kuss auf Adams Schläfe und ignorierte dabei das leise Kichern von Pia und Esther.
Adam küsste ihn sanft und lächelte. »Der allerbeste.«, sagte er. »Willkommen zurück, Hölzerchen.«
