Work Text:
Der Gedanke kam ihr, als sie nebeneinander im Bett lagen. Berauscht vom Rotwein und anderem. Schulter an Schulter starrten sie an die Decke, Silkes Finger fest mit Wilhelmines verschlungen.
„Gibt es jemanden, den du je geheiratet hättest?“ hörte sie sich fragen.
Kaum waren die Worte ausgesprochen, wollte sie sie zurückholen, sie verschlucken, irgendwo zwischen Herz und Kehle verschwinden lassen.
Wilhelmine drehte den Kopf ein Stück. „Wird das jetzt ein Antrag?“
Ihre Stimme klang nicht verärgert, eher amüsiert.
„Nein“, erwiderte Silke hastig. Und doch ließ sich der Gedanke nicht abschütteln, lag zwischen ihnen wie etwas Ungesagtes. Er spannte sich in ihr, zog sich zusammen, bis er schwer in ihrer Brust lag.
Unschlüssig zog sie die Unterlippe zwischen die Zähne. „Würdest du denn Ja sagen?“
Einen Atemzug lang Stille. Dann:
„Wenn du genug Kohle hättest.“
Silke fuhr herum. Ihre Blicke verhakten sich, hielten einander fest. Für einen Moment spannte sich die Stille zwischen ihnen, dünn wie ein Faden. Dann zuckte Wilhelmines Mundwinkel, und sie brachen beide in Lachen aus.
Sie lachten, bis ihnen Tränen kamen. Dieses ungezügelte, warme Lachen, das sie sich so selten erlaubten. Und mit ihm löste sich die Spannung in Silkes Brust.
Wilhelmine rollte sich auf die Seite, stützte sich auf den Arm, kam ihr näher. So nah, dass Silke ihren Atem auf der Haut spürte. Augenblicklich schlug ihr das Herz bis zum Hals.
„Vielleicht würde ich es tun“, raunte Wilhelmine. „Für das Geld. Ein einziger Glückscent wäre genug.“
„Würdest du nicht“, flüsterte Silke.
Wilhelmine strich ihr sanft, fast beiläufig eine Strähne von der Stirn.
„Nein“, gab sie zu. „Wahrscheinlich nicht. Aber der Gedanke zählt doch, oder?“
Silke nickte kaum merklich.
Der Gedanke zählte. Mehr als jedes Versprechen, das man leichtfertig gab im Namen eines Für-immer.
Warum auch daraufsetzen, wenn sie das hier haben konnten. Vielleicht sogar für immer.
