Actions

Work Header

Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 10 of Saarventskalender 2025
Stats:
Published:
2025-12-10
Words:
1,542
Chapters:
1/1
Comments:
10
Kudos:
30
Bookmarks:
1
Hits:
157

Türchen #10 - Die Schürk-Hölzer-W(eihnachts)G(ans)

Summary:

Leo freut sich auf einen ruhigen Heiligabend – nur Adam und er.
Als er jedoch vom Besuch bei seinen Eltern zurückkommt, muss er feststellen, dass da plötzlich noch jemand in der Wohnung ist.

Notes:

Der Prompt – der gleichzeitig auch der Titel dieses Fics ist - stammt von pusteblume258 <3

Eventuelle Ähnlichkeiten mit den Geschichten rund um die Ente 'Rasenmäher' aus dem LEU sind keine Absicht

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Die Schürk-Hölzer-W(eihnachts)G(ans)

Mit einem leisen Klicken fällt die Wohnungstür hinter Leo ins Schloss.
Er schält sich aus seiner Winterjacke und tritt sich die Schuhe von den Füßen.
Seufzend stellt er die bunt gemusterte Tüte, die seine Mutter ihm zum Abschied in die Hand gedrückt hat, auf dem Schuhschrank ab.

Seit Jahren ist Dagmar Hölzer die lauteste Verfechterin von 'Wir schenken uns nichts' – und genauso oft bricht sie selbst diese Vorgabe und versorgt alle Familienmitglieder mit selbstgestrickten Socken, Unmengen von Plätzchen, selbstgemachtem Likör und allerhand anderer Dinge, die sie in ihrer Landfrauen-Gruppe produziert.

"Bin wieder da" ruft er in Richtung Wohnzimmer.

Statt einer Erwiderung seiner Begrüßung ertönt nur ein lautes – Leo schüttelt verwirrt den Kopf, da muss er sich verhört haben – Schnattern.

"Adam?", spricht er fragend den Namen seines Partners aus.

Erneut ist statt einer gesprochenen Antwort nur ein Schnattern zu hören.

Leo fährt sich mit dem Handballen übers Gesicht.
Er ist sich ziemlich sicher, dass Adam in seiner Abwesenheit keinen Fetisch entwickelt hat, der beinhaltet den Partner mit Tiergeräuschen zu begrüßen.

Denn auch, wenn ihre Beziehung noch ziemlich frisch ist, so haben sie über gewisse Dinge mittlerweile gesprochen. Darunter auch ihre sexuellen Vorlieben – was ihnen beiden leichter gefallen ist, als das Gespräch über die Vielzahl der Missverständnisse und offenen Fragen, die zwischen ihnen liegen. 
Aber auch hier sind sie auf einem guten Weg.

"Adam, bist du da?", ruft Leo erneut, während er im Flur verharrt.

Soweit er weiß, hat Adam nicht vorgehabt, das Haus heute noch zu verlassen.
"Ich bin doch nicht wahnsinnig", hat er gemeint, als Leo ihn, bevor er zu seinen Eltern aufgebrochen ist, gefragt hat, ob er noch mal losmuss.

Nachdem er für die Strecke zum Haus seiner Eltern, die er normalerweise in etwas mehr als zehn Minuten schafft, fast eine halbe Stunde gebraucht hat, kann Leo Adam nur Recht geben.

Vermutlich wird er nie verstehen, warum die Leute kurz vor den Feiertagen immer durchdrehen und Einkäufe tätigen, als würden die Geschäfte für die nächsten Wochen geschlossen bleiben.

Adam und er haben bereits Anfang der Woche alles besorgt, um die nächsten Tage nicht verhungern zu müssen und so stehen ihnen einige entspannte Tage bevor.

Nur Adam und er.

Leo seufzt erneut und macht einen Schritt in Richtung Wohnzimmer.

Dass seine Mutter sehr verständnisvoll mit einem "Das erste Weihnachten zusammen, ist etwas besonders" reagiert hat, als er ihr gesagt hat, dass er die Feiertage nur mit Adam verbringen will, hat ihn ziemlich erleichtert.

Er mag den Hölzer'schen Trubel zwar, der an den Feiertagen immer herrscht, aber nach dem vergangenen Jahr hat er auch absolut nichts dagegen, das Ganze ruhiger angehen zu lassen.
Mehrere Tage nur mit Adam zu verbringen und die Wohnung bestenfalls gar nicht zu verlassen, klingt da ziemlich verlockend.

Wieder ertönt als Antwort nur ein Schnattern. Lauter diesmal und energischer.

"Hier! Im Badezimmer", erklingt nun doch Adams Stimme.

Leo atmet erleichtert aus. Glücklicherweise hat Adam sich während seiner Abwesenheit also tatsächlich nicht in ein Gans oder Ente verwandelt.

Vielleicht, überlegt Leo, während er mit zwei großen Schritten bei der Badezimmertür ist, hat Adam während seiner Abwesenheit ja die Wanne volllaufen lassen. Ein gemeinsames Schaumbad, ist eine ziemliche verlockende Vorstellung.

Eine Erklärung für das Schnattern gibt es trotzdem nicht.

Andererseits… Leo hält einen Moment inne, bevor er die Klinke der Badezimmertür herunterdrückt.

Vielleicht hat Adam doch noch ein Geschenk für die Kinder von Leos Geschwistern – die sind natürlich von der Wir schenken uns nichts-Regel ausgeschlossen – besorgt.
Irgendein elektrisches Spielzeug, das Geräusche macht und sämtliche Eltern über kurz oder lang in den Wahnsinn treiben wird.

"Hast du etwa für die Kinder…", beginnt Leo, während er schwungvoll die Tür öffnet. 

Der Anblick, der sich ihm in ihrem Badezimmer bietet, verschlägt ihm tatsächlich die Sprache.

Weder hat Adam ein Bad eingelassen, noch testet er ein lärmendes Kinderspielzeug.

"Was zur Hölle", entfährt es Leo und er macht reflexartig einen Schritt nach hinten, so, dass er mit dem Rücken gegen den Türrahmen prallt.

"Knag, Knag", macht es erneut, gefolgt von einem zischenden Fauchen.

Adam hat sich auf dem Rand der Badewanne niedergelassen. Aber das ist es nicht, was Leo so aus der Fassung bringt. Sein Partner ist vollständig bekleidet, hat lediglich die Ärmel seines Hoodies ein wenig nach oben gekrempelt.

Der Grund, der Leo an seinem Verstand zweifeln lässt, sitzt in der Badewanne und ist Verursacher des Geschnatters – eine große Gans, mit orangenem Schnabel und gräulich-weißem Gefieder.

"Hey Leo", sagt Adam, als sei es etwas Alltägliches, dass in ihrer Badewanne eine Gans hockt.

Eine Gans, die, den Blick auf Leo gerichtet, erneut fauchende Töne von sich gibt und beginnt, mit den Flügeln zu schlagen.

"Warum in aller Welt sitzt in unserer Badewanne eine Gans", entfährt es Leo.

Er lässt den Blick zwischen Adam und dem Tier hin und her gehen.

Während sein Kerl zumindest ein klein wenig schuldbewusst dreinblickt, macht die Gans eher den Eindruck auf Leo loszugehen, wenn er auch nur eine falsche Bewegung macht.

"Das ist Gandalf", erklärt Adam und streicht mit der Rückseite seines Zeigefingers über den Gänsekopf.

Die Gans reagiert darauf mit einem leisen Keckern und schmiegt den Kopf in Richtung von Adams Berührung.

"Aha", macht Leo.
"Und was macht Gandalf hier und vor allem, wie zur Hölle kommt er hier her?!"

"Wie wäre es", erwidert Adam und streckt einen Arm nach Leo aus, "wenn du mich erst mal richtig begrüßt?"

Leo seufzt leise und macht einen Schritt auf Adam zu, lässt Gandalf dabei jedoch nicht aus den Augen.

Mit einer Hand stützt er sich auf dem Rand der Badewanne ab, während er die andere Hand an Adams Wange legt und sich etwas hinabbeugt, um den anderen Mann zu küssen.

Ihre Lippen haben sich kaum richtig berührt, da ertönt erneut das zischende Fauchen.

Erschrocken weicht Leo zurück.

In der Badewanne hat Gandalf wieder angefangen, mit den Flügeln zu schlagen.

"Ey, Kollege", sagt Adam scharf und tippt der Gans auf den Schnabel, "Leo hat die älteren Rechte. Du hältst also gefälligst den Schnabel, wenn wir uns küssen."

Gandalf befreit sich mit einem Kopfschütteln aus Adams Berührung und lässt den Kopf sinken.

Zaghaft macht Leo wieder einen Schritt nach vorn und beugt sich erneut zu Adam.

Dieses Mal kann er seinen Freund küssen, ohne, dass der scheinbar eifersüchtige Gänserich Einwände erhebt.

"Also", fährt Leo fort, nachdem er sich aus ihrem Kuss gelöst hat, "woher kommt Gandalf und warum hockt er in unserer Badewanne." 

Adam zuckt mit den Schultern. "Er lief draußen rum. Am Ende wäre er noch überfahren worden."

Leo lässt sich vorsichtig neben Adam auf den Rand der Badewanne nieder. Gandalf immer im Blick. Er legt wirklich keinen Wert darauf Bekanntschaft mit dem Gänseschnabel zu machen.

"Und wie kommt er auf die Straße?", will Leo weiter wissen.

"Was weiß ich", meint Adam, "vielleicht hatte er einfach keine Lust als Festbraten zu enden und ist abgehauen."

Wieder streckt er eine Hand aus, um die Gans zu streicheln. Dieses Mal krault er sie mit der Spitze des kleinen Fingers am Hals.

"Und wie kommt er in unsere Wohnung?", setzt Leo seine Befragung fort.

Nun kann er förmlich dabei zusehen, wie Adams Wangen von einem sanften Rotton überzogen werden.

"Ich hab ihn mit Keksen, Salat und Äpfeln angelockt."

"Adam", entfährt es Leo und er weiß nicht, ob er Lachen oder Weinen soll.

Adam schnaubt. "Ich musste was tun. Die blöden Gören vom Krausberger haben mit Farbbeuteln nach ihm geworfen."

Krausberger ist einer der Nachbarn aus dem gegenüberliegenden Mehrfamilienhaus. Ein mehr als unangenehmer Zeitgenosse, dem Leo so gut wie möglich, aus dem Weg geht.

"Na wenigstens hast du keine Beutel zurück geworfen", meint er und wirft Adam einen eindringlichen Blick zu. "Hast du doch nicht, oder?"

Adam grinst kurz, wird dann aber wieder ernst. "Ich hatte mit dem hier", er tippt Gandalf auf den Schnabel, "genug zu tun. Hat mich 'ne Handvoll Pistazien gekostet, bis er in der Wanne saß!"

"Pistazien?", entfährt es Leo. "Kein Wunder, dass er so auf dich steht."

Wieder zuckt Adam nur mit den Schultern und streicht mit dem Fingerrücken über den Gänsehals.

Gandalf keckert erneut und schließt die schwarzen Knopfaugen.

"Du weißt aber schon, dass wir ihn nicht behalten können", fragt Leo vorsichtig nach.

Adam schnaubt. "Ich bin nicht blöd, Leo. Natürlich weiß ich das. Wäre ja auch nicht artgerecht, ihn hier in der Wohnung zu halten. Noch dazu alleine. Der Tiernotruf ist schon alarmiert. Die kommen bald und holen ihn ab. Müssen aber erst noch ein paar Waschbären retten, wurde mir am Telefon gesagt."

***

Es ist Abend geworden.
Draußen vor dem Fenster tobt seit Stunden ein Schneesturm.

Beim Anblick der riesigen Flocken, die vor dem Fenster tanzen, schmiegt Leo sich gleich noch etwas mehr an Adam, der neben ihm auf dem Sofa liegt.

Auf dem Couchtisch stehen zwei Teller, mit letzten Spuren des Gratins, das sie zum Abendessen hatten. Daneben die Dose mit den Plätzchen von Leos Mutter.

"Dass wir zu Weihnachten ein Gans haben, hätte ich auch nicht gedacht", murmelt Adam.

Leo seufzt und genießt das Gefühl von Adams Lippen auf seinem Scheitel.

Der plötzlich aufziehende Schneesturm hat es für die Tierrettung unmöglich gemacht, Gandalf abzuholen.

Nun liegt der Gänserich neben dem Bücherregal auf einer flauschigen Decke, in einem Nest aus Kissen und schnattert leise vor sich hin.
Vermutlich träumt er von den Pistazien, die Adam ihm versprochen hat, wenn er sich brav benimmt.

Notes:

Ich freue mich über Feedback - und quatscht mich auch gerne auf Discord (writingowl) oder tumblr an <3

Series this work belongs to: