Chapter Text
Ich sitze auf ner Mauer und ich weine, hoffe dass mich keiner sieht
Ich schau aufs Wasser, rauch ne Kippe, weiß nich ob mich jemand liebt
Nochmal genauso liebt wie du
Zwei Tage. Zwei Tage war es her, seit er mitten in der Nacht mit nichts als seinem Rucksack gegangen war. Wobei „gegangen“ das mildeste aller möglichen Arten war, den Vorgang zu beschreiben. Gehen, fliehen, abhauen, wie auch immer. Jedenfalls war er weg. Weg von Deutschland, vom Saarland, von Saarbrücken, von seinem beschissenen Haus mit seiner beschissenen Familie und… weg von Leo.
Leo, der ihm erst letzte Woche so begeistert von all seinen Ideen und Plänen für das kommende Jahr zusammen erzählt hatte. Adam hatte nur mit einem halben Ohr zugehört, der Rest seines Gehirns hatte die pure Freude und Ausstrahlung seines besten Freundes aufgenommen und abgespeichert. Wer wusste, wann und ob er jemals wieder einen solchen Freund finden würde? Jemand, der ihn einfach so annahm und dem seine pure Anwesenheit irgendwie schon reichte?
Schon in dem Moment, als Leo so aufgegangen war, hatte Adam Pläne geschmiedet, wie er möglichst schnell möglichst weit wegkam. Mit dem Zug einfach irgendwohin, immer zufällig aus- und einsteigen, sodass niemand ihm folgen konnte.
Und jetzt? Jetzt saß er hier auf einer Mauer in einer Stadt deren Namen er definitiv nicht mehr wiedergeben konnte. Vielleicht etwas mit L? War ja eigentlich auch egal, jedenfalls gab es da einen Fluss, der leise und beruhigend vor sich hinfloss.
Den Rücken hatte er zum Gehsteig gedreht, damit ihn niemand aus Versehen ansprach. Er wusste nicht einmal mehr, wie lange er hier schon saß. Er hatte weder die Tränen noch die Zigaretten mitgezählt.
Einen Plan für morgen hatte er nicht. Auch nicht für die Woche, das Jahr oder sein Leben. Er war zum ersten Mal wirklich und freiwillig alleine und er wusste nicht ganz, was er davon halten sollte.
