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Letnia świeżość

Summary:

Adam macht Urlaub. Nicht ganz freiwillig, aber immerhin.

Dass er sich sein Zimmer wird teilen müssen, hat er nicht kommen sehen, ebenso wenig, wie seinen Zimmerpartner.

Notes:

Fill für die 120 Minuten Sommer Challenge, Prompt: Sommer - Cocktails mit Schirmchen

Chapter 1

Notes:

(See the end of the chapter for notes.)

Chapter Text

Adam seufzt leise auf.
In seinem Begrüßungsdrink steckt ein kleines, rosa Schirmchen.
Er weiß gar nicht, was das soll, so einen Firlefanz braucht er nicht und hat ganz sicher nicht danach gefragt, weder nach dem Schirm, noch nach dem Getränk.
Doch das Glas ist ihm mit einem Lächeln in die Hand gedrückt worden, gleich nach der Aufforderung, doch bitte noch den Meldebogen auf Richtigkeit zu überprüfen und seine Unterschrift darunter zu setzen.
Jetzt steht er an der Rezeption, zu seinen Füßen eine Reisetasche, in der einen Hand besagten Begrüßungscocktail, in der anderen einen Kulli mit dem Logo des Hotels darauf, und hinterfragt, warum er überhaupt hier ist.
“Du, mein Lieber, brauchst Urlaub.” Wiktors Worte hallen noch in seinem Kopf nach, als hätte er sie vor ein paar Minuten ausgesprochen, und nicht schon vor ein paar Tagen.
Und ja, Unrecht hatte er damit nicht, Adam kann sich gar nicht mehr daran erinnern, wann er zuletzt mehrere Tage hintereinander frei gehabt hat, geschweige denn weggefahren ist.
Letzteres hätte er auch gar nicht gebraucht, immerhin hat er seinen Garten, hat auch in der Wohnung genug zu tun, da muss er doch nicht gleich die Stadt verlassen.
Aber Wiktor hatte ihn nur mit hochgezogenen Augenbrauen angesehen und in Zweifel gezogen, dass Adam sich auch wirklich erholen würde, nicht doch anrufen oder gar auf dem Revier vorbeikommen würde, nur, um mal nach dem Rechten zu sehen.
Vermutlich lag Wiktor mit der Einschätzung gar nicht mal so falsch.
Adam wäre trotzdem lieber in gewohnter Umgebung, statt inmitten wildfremder Menschen, die ihm jetzt schon auf den Geist gehen durch ihre bloße Anwesenheit.
“Aber vielleicht wirst du ja überrascht und es ist ganz nett,” so Wiktors Argument, dem Adam nicht viel entgegenzusetzen hatte, außer vielleicht die Tatsache, dass er Überraschungen nicht ausstehen kann und “nett” gar nicht unbedingt will.
Er will eigentlich nur seine Ruhe.

“So, hier ist dann ihre Schlüsselkarte,” reißen ihn die Worte des Hotelmitarbeiters aus seinen Gedanken.
“Sie haben die 220, das ist im zweiten Stock, die Aufzüge sind dann da vorne links.” Das blendend weiße Lächeln tritt wieder auf sein Gesicht, während er Adam abwartend ansieht.
Adam zieht einen Mundwinkel hoch, stellt das Glas in seiner Hand ab - das Zeug schmeckt ihm eh zu rosa - und bückt sich nach seiner Reisetasche, ehe er sich nach den Aufzügen umdreht.
Immerhin spielt in der Kabine keine unerträgliche Musik, das stellt Adam erleichtert fest, als er den Zahlen dabei zusieht, wie sie an ihm vorbeiziehen, bei der 2 stehenbleiben.
Adam folgt dem hässlichen Hotelteppich zu seiner Zimmertür, hält die Karte gegen das Schloss, öffnet schwungvoll die Tür - und bleibt wie angewurzelt stehen.
Auf dem Bett liegen Kleidungsstücke, bunte Hemden und kurze Hosen gemischt mit Sockenknäueln und einer Badehose.
Adam zieht nachdenklich die Augenbrauen zusammen, lehnt sich noch einmal zurück, blickt von den Zahlen auf dem Kärtchen in seiner Hand auf die neben der Tür, aber es bleibt dabei, es sind die gleichen, er hat sich weder verlesen, noch ist er durch die falsche Tür gelatscht.
Stirnrunzelnd macht er noch einen Schritt, linst vorsichtig um die Ecke, und sieht auf einen Rücken, der ihm nur allzu bekannt vorkommt.
Was zum…
“Ist irgendw-, was machst denn du hier?”
Das könnte er Vincent genauso gut fragen, mit ihm hat er nun wirklich nicht gerechnet.
Kurz zuckt ihm die Vermutung durch den Kopf, er müsse träumen oder halluzinieren.
Aber seine Halluzination würde ihn vermutlich nicht mit einem Kulturbeutel in der Hand völlig entgeistert ansehen, während sie die andere Hand in die Hüfte stemmt und ebenfalls die Augenbrauen zusammenzieht.
“Das… ist mein Zimmer,” antwortet er langsam, hält wie zum Beweis die Karte mit der Handschrift des Rezeptionisten unter Vincents Nase.
Dessen Stirnfalten werden nur noch tiefer, als er in seine Hosentasche greift, seine eigene Karte vorzeigt.
220, da steht es in dem weißen Kästchen, und Adam presst nachdenklich die Lippen zusammen.
Ein Versehen vielleicht? Ein Computerfehler?
Er will schon fast wieder ins Foyer fahren und nachfragen, da regt sich in ihm ein Verdacht, den er nicht abschütteln kann.
Denn wie, bitteschön, soll es sonst möglich sein, dass er und Vincent zeitgleich Urlaub haben?

Er hält einen Zeigefinger hoch, als er bemerkt, dass Vincent etwas sagen will, zieht mit der anderen Hand sein Telefon hervor, scrollt in den Kontakten bis zu W und drückt auf einen kleinen Telefonhörer.
Er hört das Freizeichen, dann ein fröhliches, “Ah, hallo Adam. Bist du angekommen?”
“Ja, bin ich,” brummt er ins Telefon. “Vincent auch.”
“Ah. Dachte ich mir, dass du deswegen anrufst. Ich hatte gehofft, das könnte vielleicht helfen.”
Adam legt Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel und drückt leicht zu.
“Wobei helfen?”
“Das weißt du ganz genau.”
Adam schnauft frustriert durch die Nase.
Natürlich weiß er, worauf Wiktor hinaus will, schließlich weiß dieser Mann mittelschwer alles über ihn.
Warum er ihm das jetzt antut, weiß er allerdings nicht.
“Dir ist nichts anderes eingefallen?”
“Ich hatte noch überlegt, euch gemeinsam im Revier einzusperren, aber ich dachte, ihr braucht länger als eine Nacht.”
“Sehr witzig. Wirklich sehr witzig.”
Wiem o tym.”1
Adam schnauft wieder, ballt die Hand zur Faust. “Ich könnte dir gerade den Hals umdrehen, weißt du das?”
“Dann ist ja gut, wenn wir uns eine Weile nicht sehen. Und jetzt, schönen Urlaub.”
Damit ist die Verbindung beendet, und Adam starrt nur ungläubig auf sein Telefon.
“Was war das?”
Verwirrt blinzelt er zu Vincent hoch - er hat schon beinahe vergessen, dass der da steht.
“Wiktor. Er dachte, es wäre eine gute Idee, wenn wir uns ein Zimmer teilen,” antwortet er.
“Ach? Na, wenn er das meint.” Vincent zuckt mit den Schultern und widmet sich wieder der Tätigkeit, seinen Kulturbeutel auszuräumen.
Adam legt nachdenklich den Kopf schief. Die Tatsache, dass sie hier gemeinsam ihren Urlaub verbringen sollen, scheint Vincent gar nichts auszumachen.
Dabei befindet sich - und Adam wird das gerade erst so richtig bewusst - nur ein Bett in diesem Zimmer, gibt es nur eine Tür zum Badezimmer und einen schmalen Kleiderschrank.
Adam schluckt schwer bei der Vorstellung, hier mit Vincent mehrere Tage auf engem Raum zu leben, ihm ständig über die Füße zu laufen, mit ihm in diesem Bett zu schlafen.
Nein, wenn er wieder in Frankfurt ist, bringt er Wiktor um, das ist beschlossene Sache.

“Willst du nicht auch auspacken,” fragt ihn Vincent ganz ungerührt, als wäre das normal zwischen ihnen, und Adam blinzelt wieder verwirrt.
“Ich, äh, vielleicht haben sie ja noch ein Zimmer.” Der Gedanke kommt ihm beim Sprechen, und ganz so absurd ist er ja auch gar nicht, trotz Meerblick und Hochsaison.
“Ich könnte unten fragen,” schlägt er vor, macht schon einen Schritt rückwärts.
Vincent richtet sich mit Zahnbürste und einem Becher in der Hand auf, zuckt wieder mit den Schultern.
“Das kannst du gerne machen. Musst du aber nicht.”
Adam bleibt wieder stehen, sieht Vincent prüfend an.
“Macht dir das denn nichts aus, wenn ich auch hier schlafe?”
Wieder ein Schulterzucken. “So schlimm fände ich das nicht, nein. Und ehrlich gesagt, wenn wir uns das Zimmer teilen, wird es auch billiger. Das ist nicht ganz meine Preislage.”
Adams auch nicht, das muss er schon zugeben - er verdient nicht schlecht, aber ganz so gut nun auch wieder nicht.
Allerdings hat er da einen Einwand.
“Wiktor bezahlt doch.”
“Gut, dann wird es günstiger für Wiktor. Ist doch auch schön.”
Mit den Worten geht Vincent ins Badezimmer, um seinen Kram abzustellen.
Adam blinzelt ihm wieder verwirrt hinterher.
Er kann wirklich nicht begreifen, warum es Vincent nicht genauso stört wie ihn, warum es ihm anscheinend egal ist, dass sie sich dieses Zimmer teilen werden.
Irgendwas fehlt ihm hier, da ist sich Adam sicher, aber er spart sich eine weitere Frage, denn mit einer ehrlichen Antwort rechnet er gar nicht.
Vielleicht…
Aber nein, den Gedanken will er gar nicht erst aufkommen lassen.
Völlig absurd, dass Vincent sich das Zimmer mit ihm teilen will, Zeit mit ihm verbringen will, das hier eventuell sogar ganz nett finden könnte.
Das wünscht Adam sich vielleicht, das hofft er eventuell im Stillen, aber die Chancen, dass seine Wünsche und Hoffnungen realistisch sind, gehen gegen null, da ist er sich sicher.

Resigniert lässt er die Reisetasche auf die andere Seite des Betts fallen, es ist völlig unsinnig, darüber jetzt weiter nachzudenken.
Lieber erst einmal die erste Nacht in diesem Zimmer überleben, und danach wird sich alles andere schon zurechtbiegen.
Adam wird schon Wege finden, Vincent aus dem Weg und nicht auf die Nerven zu gehen. Soll er seinen Urlaub genießen, ohne sich mit Adams Laune abgeben zu müssen, Adam kommt ja alleine klar.
Während er sich immer weiter davon überzeugt, dass seine Situation vielleicht doch nicht so desaströs ist, wie er zuerst befürchtet hat, kommt Vincent wieder ins Zimmer, öffnet eine Tür zum Balkon.
“Ist schon schön hier,” sagt er mit einem Seufzen.
Adam brummt nur unverbindlich, zieht seine Schlafsachen hervor.
Nur gut, dass er auch ein Oberteil eingepackt hat, denkt er noch, als Vincent sich mit funkelnden Augen zu ihm umdreht.
“Dann müssen wir morgen aber auch als allererstes ins Meer!”
Adam zieht wieder die Augenbrauen zusammen, was soll denn dieses Wir bitte heißen, er hat doch gerade beschlossen, für sich zu bleiben.
Dass Vincent seinen inneren Monolog nicht mitbekommen hat, spielt bei seiner Verwirrung keine Rolle, lässt ihn nur kurz die Schultern zucken.
“Weiß nicht. Mal sehen.”
“Adam, dafür sind wir doch hier.”
“Du vielleicht.” Er richtet sich auf, stemmt die Hände in die Hüften. “Ich hab auch gar keine Badehose dabei.”
Vincents Augenbrauen wandern überrascht seine Stirn hinauf fast bis zu seinem Haaransatz. “Wie, keine Badehose?” Erstaunt schüttelt er den Kopf, doch dann breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus.
“Dann kaufen wir dir eben eine!”
“Wir machen bitte was?”
“Dir eine Badehose kaufen.”
Adam schüttelt irritiert den Kopf, er hört ja wohl nicht richtig.
“Wozu denn? Ich geh gar nicht so gerne schwimmen.”
Das ist nicht ganz die Wahrheit, eigentlich ist Adam sogar sehr gerne im Wasser.
Er findet sich in einer Badehose allerdings nicht sonderlich ansehnlich, hat auch immer das Gefühl, dass ihn alle anstarren, sobald er eine trägt, und gerade Vincents Reaktion will er sich ersparen.
Zu groß die Gefahr, dass er Vincent anmerken könnte, dass ihm nicht gefällt, was er sieht, und damit wirklich jede noch so kleine Hoffnung in Adam erstirbt.
Nein, das Risiko will er wirklich nicht eingehen.

“Aber Adam, du kannst doch nicht hier Urlaub machen und dann nicht schwimmen gehen. Das geht nicht.”
Adam hebt eine fragende Augenbraue. “Hast du mir nicht mal gesagt, man muss Entscheidungen anderer Leute akzeptieren?”
Vincent blinzelt kurz verwirrt. “Doch, hab ich.” Seine Hände wandern abwehrend in die Luft. “Wenn du wirklich nicht schwimmen gehen willst, dann sag ich nichts mehr.” Adam sieht fasziniert dabei zu, wie ein Grinsen in Vincents Gesicht wächst, während er Adam langsam von oben bis unten ansieht.
“Aber schade wäre es schon.”
Adam fühlt leichte Wärme in seinen Wangen, schluckt einmal schwer.
Was sollte das denn jetzt?
Es ist nicht das erste Mal, dass er den Eindruck hat, Vincent würde mit ihm flirten - so ganz von nichts kommt seine Hoffnung nun mal nicht - hat sich bisher nur immer erfolgreich einreden können, dass er sich das eingebildet hat, er zu viel interpretiert in Vincents Lächeln und Vincents Worte.
Jetzt ist er sich da allerdings nicht so sicher, und er räuspert sich einmal verlegen, ehe er den Blick wieder auf seine Tasche richtet, nach seinem eigenen Kulturbeutel sucht.

Für einige Minuten kramen sie im Stillen durch ihre jeweiligen Taschen, hängt Vincent Hemden auf, während Adam einen Stapel Klamotten auf einem Stuhl platziert.
Dann hört er Vincent einmal seufzen, sieht dabei zu, wie er sich mit der Hand durch die Haare fährt.
“Was sagst du, wollen wir noch was trinken? Auf einen schönen Urlaub anstoßen?”
Adam hält das für eine grandios blöde Idee - wenn er schon neben Vincent im Bett liegt, dann sollte er das nüchtern tun.
Aber er kann Vincent nur sehr schlecht etwas abschlagen, und bei dem Blick, den er ihm zuwirft, schon mal gar nicht.
Naja, es wird ja wohl auch alkoholfreie Drinks in der Bar geben, denkt Adam und fühlt sich nicken.
“So lange da nicht wieder ein Schirmchen in meinem Drink ist,” brummt er.
Vincent lacht hell auf. “Das ist nicht so deins, was?”
“Nee, nicht so wirklich.”
Vincent lacht wieder, dann geht er ums Bett herum auf Adam zu.
“Na, dann gehen wir mal.”

Adam geht auf die Zimmertür zu, drückt die Klinke hinunter, betritt den Hotelflur und geht zum Aufzug.
Dass dabei Vincents Hand auf seiner Schulter liegt, versucht er geflissentlich zu ignorieren.
Es gelingt ihm natürlich nicht.

Notes:

1 - Das weiß ich back