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Der Gefallen

Summary:

Don Camillo ist krank.

Post in meinem LJ

Notes:

Fandom: Mondo Piccolo / Don Camillo und Peppone
120-Minuten-Prompt: Erkältung
Genre: h/c, Post-Slash (wenn man es so nennen kann)
Handlung: Don Camillo ist krank.
A/N: Ich hatte das im miniwrimo angefangen und jetzt für den 120-Minuten-Adventskalender fertiggeschrieben. Dummerweise wußte ich nicht mehr, wo ich hinwollte … Inspiriert war ich jedenfalls von einer Szene aus „Die Rückkehr des Don Camillo“ (glaube ich), in der Peppone dem kranken Don Camillo Tee vorbeibringt, und ihn darum bittet, mit seinem Sohn zu reden, der immer wieder aus dem Internat ausreißt.
Länge: ~ 1000 Wörter
Zeit: ~ 120 Minuten

Work Text:

***

 

Peppone holt ihn mitten aus einem Fiebertraum, und Don Camillo ist so froh darüber, daß er für den Moment vergißt, worüber sie sich zuletzt gestritten haben.

„Na, bereuen Sie Ihre Heldentat schon?“

„Ich habe getan, was jeder anständige Mensch getan hätte“, erklärt er und erschrickt ein wenig, als er seine Stimme hört. Wie lange liegt er schon hier und hat nicht mehr gesprochen? Hat er die Messe versäumt?

„Natürlich …“ Peppone hilft ihm sich aufzurichten. „Ich habe Ihnen Tee mitgebracht. Salbei, mit einer ordentlichen Portion Honig.“

Er trinkt gehorsam und merkt erst beim Trinken, wie durstig er ist. Der Tee ist nur noch warm, weil Peppone ihn durch den halben Ort getragen hat, und das leicht bittere Aroma des Salbeis wird durch die Süße des Honigs überdeckt. Aber er hätte sowieso alles getrunken. Er hätte etwa zu trinken mit zum Bett nehmen müssen, aber als er sich hingelegt hatte, völlig ausgekühlt und erschöpft, hatte er noch nicht geahnt, daß ihn das Fieber so schnell und so heftig ergreifen würde.

„Was willst du, Peppone?“ fragt er, nachdem er die Tasse geleert hat und wieder zurück in sein Kissen gesunken ist. Seine Stimme ist schon wieder viel fester und sein Hals schmerzt nicht mehr so sehr.

„Kann ich nicht aus reiner Nächstenliebe vorbeikommen? Sie haben die Frühmesse versäumt.“

„Das kannst du, aber das tust du nicht.“

Peppone schnaubt. Und dann sagt er „Ich wollte Sie tatsächlich um einen Gefallen bitten, aber das hat Zeit.“

„Gut.“ Sein Kopf dröhnt viel zu sehr und er kann keinen klaren Gedanken fassen. Der kurze Moment der Erleichterung, den ihm der Tee verschafft hat, ist schon wieder vorbei und das Fieber schüttelt ihn. Beißende Kälte bis in die Knochen und er schaffte es nur mit Mühe weiterzusprechen. „Leg Holz nach, wenn du gehst.“

Eine kühle Hand legt sich auf seine Stirn. Einen irrwitzigen Moment lang ist er an einem anderen Ort, in einer anderen Zeit, und seine Mutter deckt ihn zu und flüstert Schlaf, mein Söhnchen. Und dann ist da wieder Peppones Stimme, die sagt „Es ist Mai und du hast keinen Ofen in deinem Schlafzimmer.“ Und er ist wieder zurück im Hier und Jetzt. Nicht in den Bergen, wo die Nächte so kalt waren und kein Feuer gegen die Kälte half. Er versucht, die Decke fester um sich zu wickeln, aber Peppone hindert ihn daran. Peppone zieht ihm die Decke weg und er schaudert in der kalten Luft, und dann ist Peppone neben ihm, zieht ihn an sich und sagt „Gleich wird es besser“ und eigentlich will er fragen, woher der andere das wissen will, aber er bringt die Worte nicht mehr über die Lippen, so sehr klappern seine Zähne. Und dann spürt er die Wärme. Peppone ist wie ein Heizofen und er versucht, noch näher zu kommen, mehr von dieser Wärme zu bekommen, die irgendwie realer ist als die Wärme der Decke. Und während seine Zähne langsam zu klappern aufhören und Peppone leise, beschwichtigende Laute von sich gibt, gleitet er zurück in eine andere Zeit, an einen anderen Ort. Es ist Weihnachten im ersten Krieg, und Peppone und er sind vom Rest ihrer Einheit abgeschnitten hinter den feindlichen Linien. Er erinnert sich an den Wald und an das kleine Feuer, das sie mit Mühe zum Brennen gebracht haben. Sie werden uns finden! hat Peppone gesagt. Und er, daß alles besser ist als zu erfrieren. Sie kriechen unter die Zweige einer Tanne, legen Peppones Mantel auf den Boden und decken sich mit seinem zu. Der Krieg ist keine Zeit, zimperlich zu sein, das haben sie schnell gelernt. Und sowieso ist es ist nicht viel anders als früher, als er sich sein Bett mit seinen Geschwistern geteilt hat. Peppone ist warm, obwohl ein eisiger Wind weht. Sie schmiegen sich aneinander wie zwei Kätzchen im Heu und als der Wind nachläßt und der Schlaf an ihm zerrt, denkt er, daß das friedlichste Moment ist, den er seit Monaten erlebt hat.

Als er wieder wach wird, ist sein Kopf das erste Mal seit langem wieder klar. Ein Arm liegt über seiner Hüfte, hält ihn fest gegen einen warmen Körper gepreßt. Hinter ihm schnarcht Peppone leise. Er braucht einen Moment, bis er sich erinnert, was passiert ist. Er ist krank. War krank, denn jetzt fühlt er sich schon viel besser. Peppone wollte einen Gefallen, und dann … Er sollte ihn wecken und das beenden, aber ihm ist das erste Mal seit langem wieder warm. Und es ist so viele Jahre her, seit ein anderer Mensch ihn in seinen Armen gehalten hat. Nur ein paar Minuten, Herr, denkt er. Es ist doch nicht falsch, wenn er schläft und ich krank bin.

Seinen Nächsten zu lieben ist nie falsch, antwortet Christus.

Aber das ist Peppone!

Ist er denn nicht dein Nächster? Christus Stimme klingt so ruhig und sicher wie immer. Camillo hingegen ist sich da lange nicht so sicher. Weil Peppone ein gottloser Roter ist, auch wenn die Bibel natürlich lehrt, seine Feinde zu lieben. Und weil er sich erinnert, an dieses Weihnachten damals im ersten Krieg, als er noch kein Priester war und Peppone noch nicht verheiratet. Zum Glück hat er nie erwähnt –

Du weißt doch, daß ich alles weiß, Camillo. Alle deine Taten, alle deine Gedanken.

Vergib mir, Herr. Er schämt sich. Wir waren jung, und wir dachten, daß jeder Tag der letzte sein könnte, und -

Eine Hand legt sich auf seine Stirn. „Ist das Fieber gesunken?“

Er ist fast froh, daß Peppone ihn aus seinen Gedanken reißt. „Ja.“

„Gut.“ Peppone klingt erleichtert. Und dann löst er sich von ihm, rutscht unter der Decke hervor und fast hätte er der Schwäche nachgegeben, nach ihm zu greifen und ihn zurückzuhalten. Aber natürlich geht das nicht. Nicht mehr. Er ist Priester. Und Peppone ist verheiratet.

Peppone steckt die Decke um ihn fest, so wie seine Mutter das früher getan hat. So wie er Peppone das unzählige Male bei seinen Kindern hat tun sehen. „Es ist schon Abend. Ich schicke Maria mit etwas zu essen vorbei.“

Sein Magen knurrt wie auf Kommando und Peppone schmunzelt. „Offenbar sind Sie wirklich auf dem Weg der Besserung.“

Peppone ist schon aus der Tür, als ihm wieder einfällt, daß er ihn eigentlich um etwas bitten wollte. Das war dann wohl doch nicht so wichtig. Aber wenn doch … Er hat das Gefühl, daß er Peppone einen Gefallen schuldet.

 

* Fin *