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„Au“, machte Bob vorwurfsvoll. Peter verdrehte die Augen: „Es würde weniger weh tun, wenn du dich nicht so anstellen würdest.“ „Ja doch“, knurrte Bob und zwang sich, still zu sitzen und Peter in Ruhe die Wunde an seinem Arm säubern zu lassen. Sehr zu seinem Leidwesen behielt der zweite Detektiv Recht, jetzt war es tatsächlich weniger schlimm. Peter gab sich aber auch wirklich Mühe, besonders sanft zu sein. „Siehst du“, streute er jetzt Salz in Bobs offene Stolzeswunde, „es ist doch besser wenn du mich in Ruhe meine Arbeit tun lässt, oder?“
„Ja, schon. Wer hätte gedacht, dass dir verarzten so gut stehen würde?“, erwiderte Bob und wurde sofort rot. Au weia. Das klang ja verdächtig nach flirten. Jetzt bloß nichts anmerken lassen und sich das nächste Mal zusammen reißen. Das Problem war nur, dass das echt schwer war. Vor ein paar Wochen war ihm nämlich ein Licht aufgegangen. Ein Pink-Blau-Lilanes-Licht um genau zu sein. In dem exakten Moment als Peter mit dem Surfen fertig gewesen und auf den wartenden Justus und ihn zu gerannt gekommen war. Eine Szene wie aus Baywatch und die Erkenntnis hatte ihn mit voller Wucht getroffen. Tja. Aber seitdem wurde er in Peters Nähe unfassbar schnell nervös.
Schließlich hatte er vor kurzem seinen beiden besten Freunden von seiner neu entdeckten Bisexualität erzählt. Eigentlich auch mit dem Plan, zu erzählen, wie er darauf gekommen war (natürlich hatte Justus auch genau das gefragt). Das wäre gar nicht peinlich gewesen, hatte Bob eigentlich entschieden. Immerhin war es ein Fakt, dass Peter gut aussah. Also objektiv. Das fanden viele. Und dass man Freund:innen attraktiv findet ist ja auch weder etwas Ungewöhnliches noch etwas, was einem unangenehm zu sein braucht. Es wäre schließlich nur ein Kompliment an Peter gewesen und dann hätte sich die Sache gegeben. Und Bob wäre weniger nervös gewesen, weil er alle Karten auf den Tisch gelegt hatte und alles wäre wieder beim Alten gewesen. Ein perfekter, absolut logischer Plan. Nur aus irgendeinem Grund hatte er es dann doch nicht über sich gebracht als Justus gefragt hatte. „Fluch der Karibik“, war Bobs schnelle Ausrede gewesen. Feigling.
Aber leider hatte sein Coming Out nichts an seiner Nervosität geändert. Und jetzt flirtete er auch noch borderline mit Peter, der ihn dazu auch noch verarztete. Wie aus einer vor Klischees triefenden Romanze. Blöder Täter.
Naja, der war jetzt eh weg und es war immerhin nichts Ernstes. Nur ein Schnitt, in den ein wenig Dreck gekommen war. Zum Glück nahmen sie bei solchen Einsätzen immer ein kleines Notfall-Kit mit.
„So, fertig“, sagte Peter stolz und strich noch kurz zärtlich über Bobs Oberarm, „ich hoffe, es tut nicht allzu weh?“ Bob schüttelte kurz mit dem Kopf.
Peter redete weiter: „Ich muss ja zugeben, auch mal eine nette Abwechslung. Normalerweise musst immer du mich verarzten. Nächstes Mal schnappe ich ihn mir wieder. Wenn ich noch einmal dein Blut sehen muss erschrecke ich mich bestimmt zu Tode. Ich bin ja gerade eben schon fast gestorben als ich dich so aufgegabelt habe.“
Abermals wurde Bob rot. Verdammt, das wollte er doch nicht mehr machen. Aber wie sollte er auch anders bei so niedlichen und fürsorglichen Worten. Um von seiner Gesichtsfarbe abzulenken sagte er schnell: „Und was glaubst du denn wie es mir geht, wenn ich dich bluten sehe? Erinnerst du dich an Spuren ins Nichts? Das war schlimm“, dabei strich er gedankenverloren über die lange Narbe auf Peters Arm, die sich sanft schimmernd von seiner gebräunten Haut abhob, „du kriegst eh fast immer am meisten bei unseren Fällen ab. Ich bin froh, dass ich dich wenigstens einmal nicht verarzten musste. Deine Hände sind auch schon ganz rau vom ganzen Zäune hoch klettern und Türen aufbrechen“, dabei strich Bob immer noch nachdenklich über Peters raue Handinnenfläche.
„Keine Sorge, das ist nicht nur von unseren Fällen, auch von den ganzen Ballspielen, dem ganzen Schläger halten und dem einen Mal, als ich versucht habe, die ganzen Bücher zurückzusortieren, die du zur Recherche aus den Regalen gezogen hast“, Bob lachte darüber kurz auf, bevor Peter fortfuhr, „vielleicht ziehe ich mir die Verletzungen ja auch mit Absicht zu, damit du mich dann verbindest. Deine Hände sind so schön weich.“ Jetzt strich Peter über die Handinnenfläche des Dritten.
Fuck. Das bildete er sich doch nicht ein, oder? Das war doch wirklich flirten, oder? Nicht nur von seiner Seite, oder? Überfordert zog er schnell seine Hände aus Peters Griff und versuchte die Situation mit seinem 1 A Humor und einem Fluchtweg zu deeskalieren: „Tja, Papierschnitte verheilen halt spurloser. Komm, lass uns schnell zu Justus und ihm Bericht erstatten. Er wartet mittlerweile bestimmt schon wieder sehnsüchtig in der Zentrale auf uns.“ Und damit stapfte Bob voran zu ihren Rädern, Peter ihm nach.
Justus wartete tatsächlich schon ungeduldig auf die Beiden. Zusammen mit dem, was Justus herausgefunden hatte und Bobs Täter:innenbeschreibung konnten sie den Fall auch schon wenige Tage später abschließen.
„So, Kollegen. Da haben wir Mal wieder ein feines Stück Detektivarbeit geleistet! Lasst uns das gebührend feiern. Ich schlage vor, wir schlagen ein Lager auf der Ladefläche des Pick-Ups auf, den Onkel Titus weiterverkaufen möchte. Ich habe Tante Mathilda versprochen, dass ich ihr noch bei was helfe wenn wir fertig sind. Als Belohnung springt aber ein Stück Kirschkuchen für jeden von uns raus. Ich bin in so 20, 30 Minuten wieder da. Nein, keine Sorge, ich schaffe das schon alleine. Bis gleich.“ Und damit war Justus auch schon aus der Zentrale verschwunden. Peter und Bob schauten sich achselzuckend an und sammelten schon einmal die Picknick-Utensilien zusammen und ließen sich wenig später mit baumelnden Beinen am Rand der Ladefläche nieder. In Zweisamkeit genossen die beiden das Gefühl, wieder einmal einen Fall zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht zu haben.
Friedlich schwiegen sie sich an und hörten den Geräuschen des Schrottplatzes zu, bis Peter schließlich nervös zum Sprechen ansetzte: „Du, Bob. Ich… ich glaube, dass ich dir das gleiche erzählen möchte wie du Justus und mir vor ein paar Wochen erzählt hast. Ich bin auch bi+. Ich dachte das schon eine ganze Weile, aber seit kurzem bin ich mir da jetzt auch wirklich sehr sicher.“ Überrascht schaute der Dritte Peter an. Er durfte sich jetzt bloß nichts anmerken lassen. Doch bei Peters Formulierung sank sein Herz. Das klang sehr danach, als hätte Peter etwas mit einer Person gehabt. Schon gut, Bob, er hatte sich eh keine ernsthaften Hoffnungen gemacht, dass das mit Peter und ihm etwas werden würde.
Tief luftholend riss er sich zusammen: „Wodurch… wodurch bist du dir denn da jetzt sicher?“
Peter schaute angestrengt seine baumelnden Beine an und holte tief Luft. „Naja… Du, du erinnerst dich an unseren letzten Fall? Also, natürlich erinnerst du dich. Wie bescheuert. Den haben wir ja gerade erst abgeschlossen, aber naja... Erinnerst du dich als… als du dir deine Wunde am Arm geholt hast und ich dich, mh“, Peter lachte kurz verlegen auf und fuhr sich durch die Haare, „...verarztet habe? Da, da ist es mir klar geworden. Du, du bist einfach so… so! Ich, ich… ich mag dich einfach so… und dann als du über meine Narbe gefahren bist… Ja. Da. Tja. Da war ich mir sicher.“
Mit großen Augen schaute Bob Peter neben sich an. Er musste jetzt etwas tun. Irgendetwas. Sag was Nettes, Bob. Tu etwas, irgendetwas, bitte Bob!, flehte er sich selbst an. Aber er saß immer noch wie versteinert da.
Peter war aber noch nicht fertig: „Und ich… naja. Ich habe mich gefragt, ob du… Ob wir. Puh. Ich würde dich gerne küssen. Wenn ich darf? Wenn du nicht möchtest ist das natürlich auch vollkommen okay. Mach dir bitte keine Gedanken. Ich dachte nur. Naja. Vielleicht habe ich mir dein Verhalten eingebildet. Aber nur für den Fall, dass nicht, dachte ich, dass ich lieber einmal nachfrage. Weil du bist wirklich so schön und ich würde das gerne. Also… also dich küssen. Aber, oh je. Das war vielleicht doch keine gute Idee. Wie gesagt falls…“, da unterbrach ihn Bob, der sich endlich von seiner Überraschung erholt hatte und Peters Gesicht fest mit beiden Händen umfasste.
Zärtlich lehnte er seine Stirn an die des Zweiten und schaute diesem fest in die Augen: „Ich… Ich würde dich auch gerne küssen. Sehr gerne.“ Peter strahlte, dass Bob blind fast wurde. Bob schloss seine Augen, lehnte sich leicht nach vorne und spürte endlich Peters Lippen auf seinen. Nicht, dass er versuchte kitschig zu klingen, aber Peter schmeckte nach Meereswasser und Kirschen und vor allem schmeckte er aber nach mehr. Nach viel mehr.
Nach einer gefühlten halben Ewigkeit lösten sich die beiden voneinander und legten breit strahlend wieder ihre Stirnen aneinander. „Also ich weiß ja nicht, wie es dir geht“, sagte Peter verschmitzt, „aber ich glaube ich weiß noch nicht ganz, wie ich das fand. Müsste das dafür wohl noch einmal wiederholen.“ Bob lächelte zurück: „Meinetwegen, aber nur wenn es denn sein muss.“ Sanft strich Peter noch eine Locke hinter sein Ohr, bevor der Dritte seine Hand in Peters Nacken legte und sie sich wieder küssten. Jeglicher Gedanke an Justus und den Kirschkuchen vollkommen vergessen.
Der Erste tauchte tatsächlich wie angekündigt mit dem Kirschkuchen in Händen auf. Doch als er sah, womit seine beiden Freunde beschäftigt waren, drehte er sich auf dem Absatz um und schlich liebevoll lächelnd zum Haus zurück: „Na, endlich haben sie’s geschafft, dann hat mein langes Wegbleiben ja tatsächlich was gebracht.“
