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Auf der Flucht vor Allem außer Dir

Summary:

Mit fünfzehn finden sie Trost in einander, Zuneigung und Ablenkung von den Problemen, die sie heimsuchen. Adam und Leo, die sich in einander verlieren, bis es irgendwann nicht mehr geht.

Fünfzehn Jahre später und die Zeit bleibt stehen als sie sich wiedersehen, unter Umständen, die noch schlechter sind als früher.

Notes:

Ich springe dann auch mal auf den Mafia-AU Bandwaggon auf, allerdings mit einem Twist: Adam ist Arzt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Adams und Leos Perspektiven erzählt.
Dabei ist die erste Hälfte der Geschichte immer eine Stück ihrer gemeinsamen Vergangenheit, während die zweite in der Gegenwart spielt. Während die Gegenwart chronologisch abläuft, springt die Geschichte in der Vergangenheit hin und her.
Ich habe die POVs und Zeitsprünge gekennzeichnet und hoffe, dass ich so die größte Verwirrung vermeiden kann. Es hat einen Grund warm das so ist, glaubt mit ;)

So, jetzt lasse ich euch aber erstmal lesen.

Chapter Text

A D A M
August, 2006

Adam wusste schon wer Leo Hölzer war, bevor er ihn das erste Mal zu Gesicht bekommen hatte. Und wie sollte es auch anders sein, bei dem Leo Hölzer?

Adam hatte nie viele Freunde gehabt — eigentlich hatte er gar keine Freunde, nur Schulkameraden denen er manchmal bei den Hausaufgaben oder beim Lernen half — aber selbst er hatte laut und deutlich den Flurfunk am ersten Tag des neuen Schuljahres vernommen.

Von seiner alten Schule hatten sie ihn verwiesen, so hieß es. Einen Lehrer soll er mit einem Messer bedroht haben, einfach so, aus Langeweile nach der Schule. In anderen Erzählungen war es nicht bei der Drohung geblieben und der Lehrer hatte mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Alternative Theorien reichten von Prügeleien auf dem Schulhof bis hin zu Drogenhandel. 

Älter war er auch noch, mindestens ein Jahr, vielleicht auch drei, weil er aus dem Ausland kam und erst hatte Deutsch lernen müssen. Oder, weil er nach der Sache mit dem Lehrer erst einmal im Knast gesessen hatte, auch da unterschieden sich die Erzählungen.

Vor der ersten Stunde war Leo Hölzer ein Fremdkörper in ihrer schicken Schule, in ihrer schicken Nachbarschaft, mit all den schicken Leuten darin. Wie jemand wie der es auf ihre Schule geschafft hatte, war allen ein Rätsel. Der Elternbeirat wusste sicher nichts davon, die hätten das ja nie zugelassen. 

Doch schon nach der ersten Stunde — oder vielmehr währenddessen — war der Ton umgeschlagen. 

Adam saß in der letzten Reihe. Seine Lehrer hatten ihn irgendwann dort platziert, weil er der einzige war, der die Situation nicht ausnutzte, um unaufmerksam zu sein. Und wenn er es doch war dann nur, weil er schon beim nächsten Kapitel im Schulbuch war und vorarbeitete. 

In der letzten Reihe zu sitzen hatte außerdem den Vorteil, dass er das Geschehen im Klassenraum gut beobachten konnte. So hatte er freie Sicht auf die summende Aufregung, die sich unter den Mädchen in seiner Klasse waldbrandartig ausbreitete, sie vorsichtig und unter Tischplatten versteckt ihre Handys aufklappen ließ. Das Risiko, dass gleich am ersten Tag das Handy konfisziert wurde war groß, aber die Neugier auf den Neuen größer und so wurden erst auffordernde Blicke und hinweisendes Nicken getauscht und dann SMS.

Adam versuchte es zu ignorieren, setzte sich aufrecht hin, um sich wieder auf den Text vor ihm zu konzentrieren. Alles tat ihm weh, aber auch das musste er für den Moment vergessen, er war es ja sowieso gewohnt. 

Nach der ersten Stunde sammelten sich die Mädchen seiner Klasse um Laras Tisch und die Aufregung erreichte einen neuen Höhepunkt, nah genug, das Adam jedes Wort davon hören konnte. Lara hatte zur Sekretärin gemusst und da hatte sie ihn gesehen, den neuen, diesen Leo Hölzer. Und jetzt konnte sie sich darin sonnen, die Einzige zu sein die irgendwas zu ihm sagen konnte.

Groß war der, hat sie erzählt, und er hatte schöne grüne Augen mit denen er ihr zugezwinkert hatte. Ja, ganz ehrlich! Der hatte doch sowas von mit ihr geflirtet! Trotz des warmen Sommertags hätte er eine Lederjacke getragen, aber es hatte cool ausgesehen, nicht blöd. Die dunklen Haare hatte er mit einer Sonnenbrille aus dem Gesicht geschoben. 

„Ich sag’s euch, der ist total süß,“ hatte Lara gekichert und Adam abgelenkt, der sich noch immer versuchte auf das Lehrbuch vor ihm zu konzentrieren. „Wenn der nachher kommt müsst ihr aufpassen. Der hat Muskeln unter seinem Shirt, das glaubt ihr gar nicht.“

Leo Hölzer war eben ganz anders als alle anderen Jungs in ihrer Schule, der Reiz der Gefahr machte ihn nur noch interessanter nun da sie wussten, dass er nicht wie der Freak aussah, den sie sich zu Anfang alle vorgestellt hatten. 

Adam hatte davon mental Notiz genommen — so wie er von allem Notiz nahm — sich aber nicht weiter mit dem Neuen befasst. Und warum sollte er auch? Mit einem Streber wie Adam würde der eh nichts zu tun haben wollen. So wie es in Laras Erzählung klang war der eine von den Sportskanonen und der einzige Grund, warum die sich in den letzten Monaten vor den Sommerferien mit ihren Schikanen zurückgehalten hatten war, dass sie Adams Hilfe benötigten, um nicht durch die Prüfungen zu fliegen. 

Adam verbrachte fast den gesamten Tag vor seinen Büchern. Er lernte und lernte und lernte bis ihm der Kopf weh tat und dann lernte er noch ein bisschen mehr. Nach dem Abendessen musste er dann vor seinem Vater Rechenschaft ablegen; darüber, wie viel er geschafft hatte, ob seine Noten noch immer frei von jeglichem Makel waren, dass er ja nicht gefaulenzt hatte. 

Falls eine seiner Antworten nicht den Vorstellungen seines Vaters entsprach? Na dann- 

Aber Adam musste verstehen, dass er das doch alles für ihn tat. Damit er Banker werden konnte oder wenigstens Arzt oder Anwalt. Damit er Geld verdienen und sich Hausfrau, Kinder und ein ansehnliches Auto leisten konnte. Damit er seine Eltern Stolz machen konnte. Damit er es mal besser hatte als er. 

Adam hatte sich damit abgefunden. Es war ja auch nichts verkehrt daran, gute Noten haben zu wollen. Die waren seine Fahrkarte hier raus und auch wenn er kein Interesse an der Finanzwelt hatte, Arzt oder Anwalt waren keine schlechte Wahl. Da konnte er wenigstens Menschen helfen. 

Trotzdem: dank der Ansprüche, die sein Vater an ihn stellte, war Adam in der Schule schnell isoliert. Kindergeburtstage seiner Mitschüler waren ebenso Zeitverschwendung und damit tabu wie Fußball nach der Schule oder Besuche im Kino am Wochenende. Es hatte nicht lange gedauert bis alle einfach aufgehört hatten zu fragen. Und warum auch? Die Antwort war eh klar.

Und es war auch nicht so als könne er seine unfreiwillige Isolation durch Coolness ausgleichen. Im besten Falle war er schlank, hager traf es aber wohl schon eher, so oft wie er ohne Frühstück in die Schule oder ohne Abendessen ins Bett geschickt wurde; er war nicht muskulös wie der Neue, den er noch nicht gesehen, von dem er aber jetzt schon genug gehört hatte. Er durfte nur gerade so viel Sport machen, dass es für Einsen in den Prüfungen nach jeder Einheit langte. 

Dadurch, dass er die meiste Zeit drinnen verbrachte, war er außerdem bleich wie ein Gespenst. Er trug lange Shirts oder Pullover, selbst im Hochsommer und beim Schwimmen, um die Striemen zu verdecken, die Vaters Gürtel auf seine Haut zeichnete. Das machte es nicht besser und handelte ihm nebenbei auch noch den Stempel ‘seltsam’ ein. 

Adam tröstete sich damit, dass es nicht immer so sein würde. Nach dem Abitur würde er weggehen aus Saarbrücken. Hier konnte er nicht Medizin studieren, also musste er nicht bleiben. Er würde frei sein zu tun und zu lassen was er wollte. Er würde sich Freunde suchen und Erfahrungen sammeln können. 

Mit dem Läuten zur zweiten Stunde wurde Adam aus seinen Gedanken gerissen und mit einem unguten Gefühl in der Magengrube, packte er sein Buch weg. Eigentlich hätte er weiterkommen müssen während der Pause. Zwar nur eine Seite, aber die musste er aufholen bevor sein Vater nach Hause kam.

Sonst wartete der Schrank auf ihn, mit seiner beklemmendem Enge und dem kalten Licht. Der Schrank, in dem ihm nicht anderes übrig blieb als die gesamte Nacht über seinen Büchern zu brüten weil es zu zu kalt, zu unbequem, zu angsteinflößend war, um auch nur für ein paar Minuten wirklich zu schlafen. 

Ihre Lehrerin begann mit dem Unterricht, ging den Plan für das Schuljahr mit ihnen durch. Adam machte sich gewissenhaft Notizen, seinen Blick immer auf seinen Block gesenkt. Er merkte nicht einmal, dass die Tür sich geöffnet hatte bis die Lehrerin verstummte. Auch dann schaute er nicht gleich zum Ausgang sondern erst zur Tafel. Nur das ausbrechende bienenschwarmartige Murmeln lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse, die ihn — so wusste er im Nachhinein — für immer verändern würden. 

Adam schaute endlich zur Tür und ihm stockte für einen Moment lang der Atem. Seine Finger schlossen sich krampfhaft um den Stift in seiner Hand, die Plastikhülle knackte gefährlich bis sie schließlich dem Druck seiner Hand nachgab und brach. Und plötzlich wussten Adams Lungen wieder, wie man Sauerstoff aufnahm, sein Atem ging schneller und sein Herz raste. 

Lara hatte falsch gelegen; Leo Hölzer war nicht total süß, er war traumhaft schön. 

Adam hasste es vor der Klasse zu stehen, aber für Leo war das scheinbar kein Problem; ganz lässig hielt er seinen Rucksack mit einer Hand auf seiner Schulter, die andere hatte er in locker in der Tasche seiner verblichenen Jeans vergraben. Er wirkte fast schon gelangweilt wie er vor ihnen allen stand, seinen Blick langsam über die Anwesenden wandern ließ, sie alle abschätzte.

Ein bisschen so, als wären sie der Feind, dachte sich Adam. So wie er seinen Vater musterte wenn der nach Hause kam, um einzuschätzen, wie dessen Laune war, wie schlimm der Rest des Tages werden würde. Vielleicht war an den Gerüchten um Leo Hölzer ja doch etwas dran. 

In Adams Fingerspitzen zuckte es als sein eigener Blick über den Neuen wanderte, und er vergrub sie schnell mitsamt dem gebrochenen Stift in seinem Schoß. Es war schon beinahe unverschämt, wie weich Leos dunkle Haare aussahen und Adams Kopf füllte sich sofort mit Bildern, wie seine Finger damit spielten. Vielleicht während er an einen Baum gelehnt ein Buch- 

Nein. Das war eine ganz dumme Idee. 

Leo arbeitete sich langsam durch die anwesenden Schüler und Adam bildete sich ein, dass er sich auch seine mentalen Notizen machte. Irgendwie wirkte Leo Hölzer nicht wie jemand, der sich jemals von irgendjemandem überrumpeln ließ. Dabei grinste er, ein Grübchen in seiner Wange, das die Mädchen vor ihm aufgeregt kichern und tuscheln lies. 

Adam wollte sich noch einen letzten Blick erlauben — die abgewetzte Lederjacke wirkte wirklich ziemlich eng um seine Schultern, das weiße T-Shirt mache es auch nicht besser, da hatte Lara schon Recht gehabt —  bevor er die zweifellos folgende Vorstellungsrunde damit verbrachte zu lesen, als Leos Blick endlich auch über ihn wanderte. 

Für einen Moment trafen sich ihre Augen und alles wurde still. Adam konnte seine Mitschüler nicht mehr tuscheln hören, ihr Lachen wurde übertönt vom Geräusch seines schnell schlagenden Herzens und seinem Puls, der ihm in den Ohren rauschte. 

Leo Hölzers Augen waren so grün, so tief, Adam hätte gerne Stunden damit verbracht darin zu lesen wie in einem seiner Bücher. Er war sich sicher, dass keine Zeit der Welt ausreichen würde, alles über Leo zu lernen, was er wissen wollte. 

Ganz kurz bildete er sich ein, auch in Leos Augen etwas aufflackern zu sehen, aber das war ebenso schnell wieder verflogen, wie es gekommen war. Während Leo wieder dazu überging gelangweilt in den Rest des Raums zu starren, blickte Adam auf seine Hände. 

Zwanghaft versuchte er seine Reaktion unter Kontrolle zu bekommen, langsam und still zu atmen, genauso wie er es tat, wenn er es nachts im Schrank mit der Angst zu tun bekam. Er zwang seinen Herzschlag sich zu beruhigen und spielte mit dem zerbrochenen Kuli in seinen Fingern, um das Zittern in seinen Händen zu verstecken. 

Und, was viel wichtiger war, er verbot es sich, noch einmal zur Tür zu sehen.

Adam hatte Angst vor seiner Reaktion auf Leo Hölzer, das musste er sich ehrlich eingestehen. Er hatte Angst vor seinem rasenden Herzen, dem schnellen Atem und von dem Bedürfnis, seine Hände nach ihm auszustrecken. Er hatte Angst, weil er nicht wusste, woher das alles kam. Adam war so nicht. Er reagierte nicht auf andere Menschen, beobachtete sie nur wie durch ein Mikroskop. 

Er schob es an seinen Mangel an sozialem Geschick, an den wenigen Umgang, den er mit anderen Menschen, vor allem mit gleichaltrigen hatte. Diese Erklärung war simpel und naheliegend und so viel einfacher als die Schwere, die sich jetzt in seiner Brust ausbreitete und die ihn ratlos und ohne Fokus auf seinen Block starren ließ. 

Leise und gedämpft, wie durch Watte hindurch hörte er, wie ihre Lehrerin Leo Hölzer willkommen hieß und dann auf seinen neuen Platz schickte, am Tisch neben seinem. Er hörte Leos Schritte, das Quietschen seiner Turnschuhe auf dem frisch geputzten Linoleum und wie er seinen Rucksack auf den Boden und sich in seinen Stuhl fallen ließ. 

Und dann bat ihre Lehrerin Leo — als ob es ganz verständlich wäre — Adams Hilfe an. “Fall du Fragen hast, macht er das bestimmt gerne,” hatte sie mit einem Lächeln gesagt und damit seine kläglich zurückgewonnene Beherrschung wieder zunichte gemacht. “Nicht wahr, Adam?” 

Entsetzt hatte er nur stumm genickt, sich geweigert nach Rechts zu sehen und sich stattdessen damit beschäftigt einen neuen Stift aus seinem Mäppchen zu kramen.

 

Den Rest des Tages war Adam zu nichts zu gebrauchen.

Zwar hörte er zu und machte mechanisch seine Notizen, las die Texte in seinen Büchern und nahm die notwendigen Markierungen vor, aber nichts davon bleibt wirklich hängen. Immer wieder blitzen Leos grüne Augen in seinen Gedanken auf, lenken ihn ab, wollen ihn dazu verleiten den Kopf zu drehen und sich davon zu überzeugen, dass Leo kein Produkt seiner Fantasie war. Mit jeder Minute die verstrich, wunderte Adam sich was passieren würde, wenn er in der Pause einfach zu ihm gehen würde. Wenn er den Mut aufbringen würde, um sich vorzustellen und Leo seine Hilfe noch einmal persönlich anzubieten. 

Die Gedanken klebten an ihm wie Kaugummi an seinem Schuh, unangenehm und hartnäckig und er wurde sie einfach nicht los. Egal wie oft er sich selbst daran erinnerte, dass jemand der sich so benahm wie Leo Hölzer — der so aussah, der sofort von allen anderen so begeistert aufgenommen wurde — sich nie mit ihm abgeben würde, sein Kopf ließ nicht davon ab. 

Und eigentlich war es auch nicht nur dieser eine erste Tag an dem ihn Leo Hölzer so furchtbar durcheinander brachte. Auch wenn er sich nach einer Weile an die Präsenz zu seiner Rechten gewöhnte, vergessen konnte er sie doch nicht, war sich ihrer bewusst, wann immer Leo auch nur sein Gewicht verlagerte. 

Adam musste schon an Leo denken wenn er morgens aufwachte. Die Gedanken halfen ihm zu ignorieren, dass er Hunger hatte, dass sein Rücken von der Nacht im Schrank steif war, dass er so müde war, dass er sich nur langsam bewegen konnte. Und wenn er dann auf dem Weg in die Schule war stellte er sich vor, wie es sein könnte. 

Was wenn er und Leo Freunde wären? Würde er genauso wie Adam darauf warten, dass sie sich sahen? Würde er mit seinem süffisanten Grinsen vor der Schule stehen, eine glühende Zigarette zwischen den Fingern, und ihn dann mit dieser seltsamen Kombination aus Umarmung und Schulterklopfen begrüßen? 

Adam wusste es nicht und er war sich sicher, dass er es auch nie wissen würde. Er war seltsam, das war nichts neues. Er hatte keine Freunde und Leo hatte in den fünf Wochen seit Beginn des Schuljahres schnell Anschluss gefunden. 

Alle suchten seine Nähe; Adam konnte nicht mehr zählen, wie viele der Mädchen aus ihrer Stufe — und den Stufen darunter und darüber — sich plötzlich fürs Backen interessierten, Kuchen mitbrachten und Leo kichernd nach seiner Meinung fragten. 

Und dann waren da natürlich die ganzen Lederjacken. Es war Spätsommer, die Temperaturen hoch, aber plötzlich trugen viele der Jungs Lederjacke, weigerten sich die auszuziehen, auch wenn sie sichtlich in der brütenden Sonne zu zerfließen schienen. 

Adam konnte es ja verstehen. Wenn seine Chancen nicht so aussichtslos wäre, hätte er sein Glück vielleicht auch versucht. Aber so blieb er weiterhin für sich, saß in seiner Ecke auf dem Schulhof, im Schneidersitz und ein Buch auf dem Schoß. Er beobachtete das Treiben um ihn herum und vor allem natürlich Leo.

Leo, der im Schatten an der Wand lehnte, eine Zigarette zwischen den pinken Lippen, die Finger um den Anhänger seiner goldenen Ketter geschlossen. Leo, wie er die Mädchen zum Lachen brachte, die sich in einer kichernden Traube um ihn gesammelt hatten. Leo, wie er sich fast mit einem Typen aus der Zwölften schlug, der allein mit seinen Worten gewann, die sie nicht einmal verstanden, aber eindeutig genug klangen, dass der andere einen Rückzieher machte. 

Leo Hölzer hatte seinen Platz an der Schule gefunden und er würde nicht davon abweichen. 

Ob Leo es hier mochte, wusste Adam nicht. Das war auch kaum zu erkennen. Er hing mit den Jungs ab, die sich um ihn sammelten. Er kickte den Ball zurück, spielte aber nicht mit ihnen Fußball. 

Er lächelte und lachte, aber Adam wurde das Gefühl nicht los, dass es alles nicht echt war. Als ob der Leo Hölzer, den sie alle kennengelernt hatten, nicht der echte wäre. Adam würde gerne wissen wie sein wahres Lächeln aussah, überlegte er irgendwann während einer einsamen Mittagspause. Würden seine Augen mitlachen und Fältchen werfen? Würde dieses Grübchen immer noch aufblitzen.

Leo Hölzer beschäftigte ihn. In jeder freien Sekunde wunderte Adam sich über den Neuen, wünschte sich, er wüsste mehr über ihn. Er wollte das Puzzle lösen von dem er immer neue Teile entdeckten, die am Ende doch nicht zusammen zu passen schienen, weil mittlerweile Monate vergangen waren und er noch immer nicht mit ihm gesprochen hatte. 

Also richtete Adam sich darauf ein, dass er auch für Leo Hölzer der Schatten aus der letzten Reihe bleiben würde, den man nur im Unterricht hörte, aber sonst nie sah. Der immer irgendwo in einer Ecke saß und laß, der mehr mit seinen Lehrern sprach als den Mitschülern. 

Wenigsten, so dachte er, konnte er Leo ungestört beobachten. Und das würde für den Moment genügen. 


L E O
Februar, 2021

An die schmale Balustrade vor der Tür zu seinem Büro gelehnt beobachtet Leo Hölzer das Geschehen im Club Karenina , seinem Club. Hier oben ist er für sich alleine, hat alles im Blick, Herrscher über sein kleines Reich.

Fünf Jahre war es jetzt her, dass er den Club, und alles was dazu gehörte, vom alten Boss übernommen hatte. Jahre in denen er zwar nicht mehr die Drecksarbeit hatte erledigen müssen, aber um so härter geschuftet hatte, um sich selbst und seine Geschäfte an der Spitze zu positionieren. Ein ständiger Kampf um die Position zu halten, weil es Gegenwind gab, weil er ja kein echter Russe war, so hatten sie es Ilya vorgeworfen, als er Leo als seinen Nachfolger bestimmt hatte. 

Leo, dessen Mutter einen Deutschen geheiratet hatte, der sich nicht an die Heimat erinnern konnte, der so einen komischen Nachnamen trug, der mühsam seinen deutschen Akzent hatte ablegen müssen. Hölzer, der immer irgendeinen Weg gefunden hatte, dass er selbst nicht im Zentrum der Scheiße stand, wenn die Bullen anklopften. 

Sie hatten ihn gehasst, als Ilya ihm so vollkommen unerwartet auf die Schulter geklopft hatte. Viele hassten ihn sicher noch immer aber mittlerweile waren die schlimmsten seiner Kritiker verstummt. Sie waren weg vom Fenster oder hatten einsehen müssen, dass Leo wusste was er tat, das Ilya einen guten Grund gehabt hatte dafür, dass alles hier Leo anzuvertrauen statt seinen Neffen, die mehr daran waren die Drogen zu schlucken statt sie zu verkaufen. 

Ilya hatte ihm den Club “verkauft”, weit unter Wert, aber die Papiere waren in Ordnung. Danach hatte Leo alles ausräumen und umbauen lassen, hatte selbst mit angepackt obwohl sich so einiges kaufen ließ wenn man das Geld säckeweise zur Verfügung hatte. Es war ein Risiko gewesen den Club zu schließen, wenn auch nur vorübergehend, weil er die Front war, die all ihre Geschäfte legal erscheinen ließ. Aber der Erfolg gab ihm Recht, weil es in den gleichen fünf Jahren nicht bei einem Club geblieben war. 

Vor dem Umbau war es ganz klischeehaft ein Strpclub gewesen von dem alle wussten, dass in den Separees mehr lief als nur private Vorstellungen. Ilya hatte auf Informanten bei der Polizei, Angst und Loyalität gesetzt, um das Interesse der Behörden von ihnen abzuhalten. 

Leo hatte den gesamten Bau entkernen Lassen, die Separees raus, und über einem Teil des Raumes einen Zwischenboden einziehen lassen. Da war jetzt sein Büro drin, hoch über allem, abgeschirmt von einseitig verspiegelten Glaswänden, die die blitzenden Lichter aus dem Club reflektierten, ihm erlaubten alles zu beobachten aber selbst unerkannt zu bleiben. 

Statt Separees gab es jetzt eine tiefer gelegte Tanzfläche, erhöhte Sitzgruppen und viele dunkle Winkel, die für Abgeschiedenheit sorgten und die er nur von hier oben alle einsehen konnte, so wie er es auch heute Nacht tat. 

Unten sich winden sich schwitzende Körper zu Musik, die er eigentlich noch nie leiden konnte. Sie pressen sich zu zweit und in kleinen Gruppen an Wände, lehnen an der Bar. Kleine Päckchen wechseln Hände. Im Gegenzug zu allem wandert Geld von einer in die andere Hand. 

Parallel zu den baulichen Veränderungen hätte Leo Stück für Stück die Organisation umgekrempelt. Er hatte den Anteil an legalen Geschäften erhöht, die Fronten, die sie für alles andere benutzen diverser gestaltet, damit es bei einer Überprüfung fast unmöglich war, alle ihrer illegalen Geschäfte aufzudecken. 

Leo lässt seinen Blick von der Tanzfläche zur Bar wandern und legt den Kopf schief. Nika steht da eng neben einer jungen Frau, die ihm bekannt vorkommt. Es dauert einen Moment — erst als Nika sich noch weiter zu ihr lehnt und seine Hand auf ihrem Oberschenkel nach oben wandern lässt — bis Leo einfällt, dass das eine junge Polizistin ist. Ihren Namen hat er schon längst wieder vergessen, aber er weiß, dass sie auf seiner Gehaltsliste steht. Das Nika sie nebenbei noch vögelt ist nur das letzte bisschen, dass sie loyal zu ihnen stehen lässt. 

Vielleicht ist Nika auch nur so gut in dem was er tut, dass es nicht dem Geld geschuldet ist, dass sie den offensichtlichen Drogendeal neben ihr gerade ignoriert. 

Fünfunddreißig Prozent, so hoch ist der Cut, den der Club davon bekommt. Den Dealer erkennt er sofort, der hat sein Hauptgeschäft schon vor Jahren in seine Clubs verlegt. Nicht nur ins Karenina , sondern auch in die anderen, die er nach und nach dazu gekauft hat.  

Leos Blick wandert weiter. Seine Schultern spannen sich für einen Moment unter seinem Jackett an als es so aussieht, als würde eins seiner Mädels Schwierigkeiten bekommen. Er will schon einschreiten, auch wenn das schon lange nicht mehr sein Job ist, als der Mann, mit dem sie sich unterhält, einen Schritt zurücktritt. Sie nickt einem der Sicherheitsspezialisten zu, die das Erdgeschoss des Clubs überwachen, bevor sie den Kerl in eine dunkle Nische zieht. 

Automatisch erinnert Leo sich, dass er davon vierzig Prozent bekommt. Ein Großteil dafür geht an die Männer, die für ihre Sicherheit sorgen. Die Frauen sind einverstanden damit, weil sie wissen, dass sie hier sicher sind während sie ihrer Arbeit nachgehen. Und der Weg zu Kellnerin und Barkeeperin steht ihnen hier immer offen, wenn sie wollen. 

Leo entspannt sich wieder und verschränkt die Arme vor der Brust. Er kann die Waffe fühlen, unter seinem Arm, sein einziges Zugeständnis an das erhöhte Gefahrenniveau mit dem er lebt.

Personenschutz schlägt er aus, zumindest in seinen Clubs, auch wenn Ilya immer welchen hatte. Nika ist oft mit ihm unterwegs, wie früher auch schon, aber eben nur draußen. Hier ist er sicher genug, um sich in sein Alleinsein flüchten zu können. Er erklärt es damit, dass die Geschäfte niemanden außer ihn etwas angehen.

Sein Blick wandert zurück zu Nika und der Polizistin. Leos rechte Hand hat seine eigene rechte Hand unter ihren Rock geschoben und so rot wie ihre Wangen sind, hält er sie mitten im Club gut beschäftigt. 

Leo hat schon lange jegliche Scham verloren. Er hat hier schon alles gesehen, lange bevor er selbst der Besitzer war, vieles selbst gemacht.  

Besitzer mehrerer angesagter Clubs, die alles nur Fassade waren für die illegalen Geschäfte, die in dunklen Ecken und Hinterzimmern abliefern. Organisiertes Verbrechen, in dessen Hackordnung er an der Spitze steht. 

Sein Blick driftet ab von Nika und der Polizistin, hin zu der verspiegelten Wand hinter der Bar. Der Winkel ist geschickt gewählt und erlaubt es Leo auch das Geschehen direkt unter ihm zu beobachten.

Gerade da runter sollte er jetzte gehen erinnert er sich. Eigentlich müsste er gerade dort unten sein und durch das Blickfeld der Sicherheitskameras laufen. In einer anderen Nachbarschaft von Saarbrücken findet auf sein Geheiß gerade ein größerer Drogendeal statt, er sollte sich um ein Alibi bemühen. 

Es wäre sogar eine gute Idee selbst für einen schnellen Fick in einer der dunklen Ecken zu verschwinden, vielleicht sogar im videoüberwachten Lagerraum hinter der Bar. An Freiwilligen würde es sicher nicht mangeln, weder unter den Gästen, noch unter den Frauen, die eigentlich für ihn arbeiteten. Wäre nicht das erste Mal, würde wahrscheinlich auch nicht das letzte sein. 

Lust hat er allerdings keine. Weder auf einen Fick noch darauf, sich durch die schwitzende Menschenmasse zu schieben. Trotzdem stößt er sich von der Balustrade ab und knöpft sein Jackett zu bevor er die Treppe nach unten geht. 

Er klopft Lukaš auf die Schulter damit er ihn vorbei lässt. Der tritt zur Seite, nickt seinem Boss einmal kurz zu bevor er sich wieder vor die Treppe stellt, um sie von den Betrunkenen abzuschirmen. 

Sofort ist Leo umringt von Menschen. Das Gefühl ist erdrückend, bringt seine Haut zum Jucken und am liebsten will er wieder nach oben und sich unter die Dusche flüchten. Stattdessen setzt er ein einstudiertes, süffisantes Lächeln auf und bewegt sich durch die Menge. Sie teilt sich für ihn als er von einem Schlägertypen zum nächsten wandert, sich kurz nach Vorfällen erkundigt, die vielleicht noch nicht bis zu ihm vorgedrungen sind. 

Soweit ist alles ruhig, aber es ist auch erst kurz nach Mitternacht. Bisher ist nichts passiert, mit dem sie nicht alle routiniert umgehen könnten. 

Trotz seines abweisenden Verhaltens stolpert die ein oder andere junge Frau auf ihn zu, bietet sich an für was auch immer er will. Er geht nicht darauf ein, bedenkt sie mit seinem kältesten Blick damit sie ihn in Ruhe lassen. Auch wenn der Alkohol und die Drogen sie mutig gemacht haben, davor ist bisher noch jede zurückgeschreckt. 

Leo weiß, was sie sehen. Mit seinen platinblond gefärbten Haaren und fitten Körper ist er attraktiv. Seine Kleidung ist zwar zurückhaltend aber teuer und sein Ruf eilt ihm voraus. Es geht weniger um Sex mit ihm, als um Macht oder Gefahr und damit hat er sich schon lange abgefunden. 

Sex ist schon lange nur noch ein Mittel zum Zweck, lässt ihn kalt und fast schon unbefriedigt zurück. 

Für den Bruchteil einer Sekunde gibt er sich den Erinnerungen hin. Zarte Küsse und leicht wandernde Hände, die liebevoll erkunden; das alles ist schon so lange her und passt seit Jahren nicht mehr zu dem harten, gefühlskalten Mann, der er aus ihm geworden ist. 

Resolut schlägt er die Tür zu eben diesen Erinnerungen zu, zwingt sich, sie wieder zu vergessen. Träumen bringt ihm nichts, dadurch kann er das alles hier nicht am Laufen halten. 

Er muss einfach mal wieder Caro besuchen fahren. Seine Schwester ist vor Jahren schon abgetaucht, mit seiner Hilfe, und lebt jetzt ihr Leben mit Mann und Kind in Sicherheit weit weg von ihm. 

Leo besucht sie, wenn er kann. Verschwindet für ein paar Tage aus Saarbrücken, um unangekündigt bei ihr vor der Tür zu stehen. Dann ist er frei für einen Moment, kann einfach nur ihr Bruder sein und als letzten Paukenschlag vor der Rückkehr in sein Leben in einem schäbigen französischen Club noch irgendeinen Kerl aufreißen. 

Jetzt ist er nicht frei, trotz der Macht die er innehat. Wenn er sich auch nur den kleinsten Fehltritt erlaubt ist er weg vom Fenster, der falsche Russe. Dann kann er hier niemanden mehr beschützen, am wenigsten Caro und sich selbst. Dann finden die Bullen ihn mit einer Kugel im Kopf in irgendeiner versifften Seitenstraße und sein Name wird irgendwann zu einer Fußnote in ihren Akten. 

Mafiaboss eben; wen kümmert er schon, wenn der tod ist. Ist vielleicht auch besser so. 

Wieder blitzt eine Erinnerung auf, der er sich nicht hingeben darf. Er kämpft den Drang zurück über das Tattoo zu reiben, dass er sich hat stechen lassen, da war er kaum achtzehn. Eine Schlange, bissig und gefährlich, ihr schlanker Körper der sich in schwarzer Tinte um seinen Arm windet und ihn festhält. Die fast schon intelligenten, stechend blauen Augen die über seiner Pulsader auf seiner Haut verewigt sind. 

Es war nur das erste von vielen Tattoos, das einzige Symbol, das nicht seine Zugehörigkeit und seinen Stand markieren, das nicht bewusst als Abschreckung fungieren soll. Darauf folgten verschiedene weitere, aber das ist ihm mit Abstand das liebste geblieben. 

Leo wird jäh aus seinen Gedanken gerissen als einer seiner Männer — Andrej heißt er — ihn mit einem fast unmerklichen Nicken zu sich rief. Also schiebt er sich wieder durch die Menge, drückt sich durch die schwitzenden Körper bis er ihn erreicht. 

“Was ist los?” fragt er, bedeutet Andrej mitzukommen, damit sie nicht schreien müssen. 

“Alex hat angerufen.”

Blyad’. Leo wusste sofort, dass er Schwierigkeiten bei dem Deal gegeben haben musste. Er hatte Alex geschickt, weil er sich eigentlich auf ihn verlassen konnte, aber vielleicht hätte er sich doch selbst darum kümmern sollen. “Was ist?” fragt er kurz angebunden und macht sich schon auf den Weg zum Hinterausgang. 

Andrej schließt sich ihm ohne Aufforderung an, wird zu seinem Schatten. “Probleme mit der Bezahlung.” 

Leo sieht zurück zur Bar, wo Nika immer noch schwer mit der jungen Polizistin beschäftigt ist. Sie hat Leo gesehen und wenn er sich beeilt und Nika sie lang genug beschäftigt, dann fällt sicher nicht mal auf, dass er weg war. Mit einem frustrierten Seufzen strich Leo sich durch die Haare. “Gut, dann muss ich hin. Du fährst mit.” 

Andrej nickt nur, öffnet ihm die Tür und folgt ihm stumm zur Garage, dreht sich weg, als Leo den Code für das Tor eingibt, den niemand außer ihm kennt. Er setzt sich sofort auf den Beifahrersitz, weiß, dass Leo niemanden fahren lässt. 

Die Fahrt ist dank der späten Stunde kurz, der Verkeht fast eingeschlafen. Die Gegend in die sie fahren, tot. 

Was genau der Grund war, warum er sie für den Deal ausgewählt und dann darauf bestanden hat. 

Leo parkt den Wagen neben einem verlassenen Fabrikgebäude, weit genug vom eigentlichen Ort des Geschehens entfernt, um nicht gleich gesehen zu werden aber nah genug, um im Notfall schnell abhauen zu können. Als er den Motor abstellt ist alles ruhig. 

Zu ruhig. 

Die Härchen in seinem Nacken stellen sich auf. Irgendwas stimmt hier nicht. Seine Hand wandert zu seiner Waffe, ein Mechanismus, den er sich über die Jahre hinweg antrainiert hat. Er wird schießen, wenn er muss, um sich zu verteidigen, um Caro und ihre Familie zu schützen. 

Hat er schon getan, weil es nötig war. 

Andrej geht vor ihm, seine eigene Waffe in der Hand. Er bewegt sich fast lautlos, geht auf die Gasse zu in der der Austausch hätte stattfinden sollen. Leo kann beobachten, wie sich seine Schultern anspannen bevor er in die Gasse blickt und sie sich dann entspannen. 

“Hier ist niemand,” meint er und Leo lässt seine Hand sinken. 

Und dann hört er es: ein leises Schlurfen. Es wäre ihm gar nicht aufgefallen, wenn nicht jede Faser in ihm gerade Alarm schlagen würde. Und auch so ist es zu spät und Leo kann nicht mehr rechtzeitig reagieren. 

Ein Schuss fällt und er sieht wie Andrej zusammenzuckt. Seine Knie geben nach und Leo will sich schon in Bewegung setzen als ein zweiter lauter Knall ertönt. 

Sein Körper bebt, wird umgeworfen, und erst Momente später realisiert er, was das zu bedeuten hat. Dann kommt der Schmerz, dicht gefolgt von einem weiteren ohrenbetäubenden Knall. 

Den Dritten hört er schon gar nicht mehr. Leo spürt auch den kalten, feuchten Boden nicht, auf dem er zusammengebrochen ist. Da ist nichts außer dem Bedauern, dass er versagt hat. Schwarze Flecken am Rande seines Sichtfeldes versuchen ihn zu verschlucken. Er kämpft dagegen an, bis es zu viel wird. 

Und dann gibt er sich der Dunkelheit hin und denkt an blaue Augen.