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Schweigepflicht

Summary:

Kalli sollte doch nur seinen Kollegen aus dem Krankenhaus abholen. Nicht mit der Schweigepflicht konfrontiert werden oder sich Gedanken über die genaue Natur der Beziehung seiner beiden Chefs machen.

Oder

Ivo ist auf Schmerzmitteln und spricht Kroatisch. Franz ist müde. Und Kalli? Der ist verwirrt.

Notes:

Das ist sowohl meine erste Tatort Fanfic als auch die erste Fanfic, die ich auf Deutsch schreibe. Seid also nicht allzu streng mit mir.
Eigentlich wollte ich was ganz anderes schreiben, aber irgendwie hat sich die Geschichte verselbstständigt :D

Ach und: Das nächste Kapitel habe ich schon fertig und lade ich morgen oder so hoch.

Chapter 1: Nur noch schnell...

Chapter Text

Franz schloss die Bürotür hinter sich. Nur noch das Protokoll schreiben, damit er bis morgen keine wichtigen Details vergaß, und dann konnte er nach Hause gehen. Endlich. Der Tag war lang und anstrengend gewesen, aber sie hatten den Täter überführen und das nächste Opfer rechtzeitig retten können. Ein weiterer Sieg über das Böse, das sie in ihrem Beruf stets verfolgte. So froh er über diesen Ausgang des Falles war: Franz wollte einfach nur noch nach Hause und schlafen.

Unwillkürlich wanderten seine Gedanken zu Ivo. Ivo, der im Krankenhaus lag, weil er schon wieder seine Heldenscheiße abziehen musste. Die junge Frau, welche der Täter als nächstes Opfer ausgewählt hatte, verdankte Ivo und seinem Retter-Komplex ihr Leben. Aber Franz konnte nicht anders, als über Ivos Verhalten sauer zu sein. Schließlich hatte der ja nicht wissen können, wie gefährlich dieser Wahnsinnige war. Und trotzdem hatte er sich einfach in die Lagerhalle gestürzt, ohne auf Verstärkung zu warten. Ohne wenigstens auf Franz zu warten, verdammt nochmal.

Er schüttelte den Kopf, dann massierte er seine Schläfen. Wenigstens hatte Ivo nur einen Streifschuss abbekommen und die Ärzte im Krankenhaus hatten gesagt, dass er keine bleibenden Schäden davontragen würde. Glück gehabt also. Noch mehr bleibende Schäden würde Franz wohl nicht ertragen können. Er musste grinsen. So sauer er war, war er doch vor allem erleichtert, dass der Depp auch diesen Anflug von Heldendrang gut überstanden hatte.

Seinem Ego würde es wohl nicht guttun. Das nächste Mal, wenn Franz ihn auf seine Risikobereitschaft ansprechen würde, würde er das Gespräch wieder damit für beendet erklären, dass er die Arme ausbreitet und grinst: Schau her! Ist doch bisher noch alles dran!

Franz seufzte und rieb sich über seine Augen. Nur noch das Protokoll schreiben. Kalli hatte er aufgetragen, Ivo aus dem Krankenhaus abzuholen, bevor es noch später wurde. Ivo hasste das Krankenhaus. Franz konnte es ihm nicht verübeln. Hatten sie doch beide schon viel zu viele Stunden unfreiwillig dort verbracht. Er zwang sich, seinen Blick wieder auf den Monitor zu richten. Die Zahl der kleinen Uhr im rechten Bildrand sprang gerade um. 3:00 Uhr. Es half nichts. Je früher er anfing, desto früher würde er die Bürotür wieder hinter sich schließen können. Und zwar von der anderen Seite. Und für mindestens ein paar Tage.


Die Straßen waren leer als er zum Krankenhaus fuhr. Kein Wunder, durfte doch der Großteil Münchens friedlich in ihren Betten liegen. Ohne einen Hauch der Ahnung zu haben, welche Monster in ihrer Stadt ihr Unwesen trieben, bevor er und seine Kollegen ihnen das Handwerk legte. Manchmal - in Momenten wie diesen, wenn er Mitten in der Nacht als einziger an einer roten Ampel stand – beneidete Kalli sie. Er würde auch gerne seelenruhig und unbeschwert in seinem Bett liegen und schlafen. Aber er hatte sich für diesen Beruf entschieden und so anstrengend er an Tagen wie diesen auch war: Er liebte ihn.

Die Ampel sprang um. Endlich. Nur noch ins Krankenhaus, Hr. Batic abholen, ihn heimfahren und dann konnte Kalli ins Bett. Schlafen. Bett. Schlafen. Das war das Einzige, was ihm im Kopf blieb, als er auf das Krankenhaus zu steuerte und den Wagen abstellte. Er lief über den Parkplatz und in den menschenleeren Eingangsbereich. Das grelle Licht reizte seine Augen, sorgte aber erfolgreich dafür, dass Kalli sich wieder etwas wacher fühlte.

„Abend“, grüßte ihn der Mann hinter dem Tresen.

„Servus“, erwiderte Kalli und hielt ihm seinen Dienstausweis entgegen

„Ich suche meinen Kollegen: Hr. Batic. Er hatte eine Schussverletzung, aber mein Kollege meinte er könnt heut schon wieder heim.“

„Moment…“

Kallis Augen wanderten über das Gesicht des Mannes. Dann durch den Raum.

„Batic sagtn Sie?“

Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Rezeptionist.

„Ja.“

Das Klackern der Tasten erfüllte den leeren Raum.

„Ah ja. Hier hammer’s. Der ist auf Station 3. Doktor Waldauf ist für ihn zuständig, am besten fragen sie bei der ma‘ nach.“

„Danke“, erwiderte Kalli und bemühte sich, seine wieder aufflackernde Müdigkeit zu unterdrücken. Sein Bett rückte nun endlich ein Stückchen näher. Er betrat den Fahrstuhl am anderen Ende der Eingangshalle, wählte das vierte Stockwerk aus und wartete, bis die Tür sich schloss. Kaum war diese zu, sackte er ein Stück in sich zusammen. Atmete tief durch. Seit knapp unter 36 Stunden war er nun auf den Beinen. Er dachte an Leitmayr, der ihn aus dem Büro hierher geschickt hatte. Daran, dass dieser indessen noch den Bericht über ihre Ermittlung und den Einsatz bei der Lagerhalle schreiben musste. Nicht zum ersten Mal fragte Kalli sich, wie seine beiden älteren Kollegen solche Fälle wegsteckten. Sie waren schließlich - er musste kurz nachrechnen – fast 40 Jahre älter als er.

Mit einem lauten Ping riss ihn der Fahrstuhl aus seinen Gedanken und er richtete sich schnell wieder auf. Schließlich war er noch im Dienst, da sollte er sich zumindest einen letzten Rest Haltung bewahren. Die offenen Türen des Fahrstuhls gaben den Blick auf die weißen Wände eines schier endlosen Ganges mit einer ebenso endlosen Zahl an blauen Türen frei. Kalli unterdrückte ein schweres Seufzen. Nur noch die Ärztin finden, dann Batic und dann nichts wie heim. Als hätte sie seine Gedanken gelesen, tauchte nun eine schmale Frau in einem weißen Kittel vor ihm auf.

„Servus. Wissen Sie, wo ich Dr. Waldauf finde?“

Sie blickte auf und nickte. „Das wäre dann wohl ich“, sagte sie mit einem müden, aber nicht weniger aufrichtigen Lächeln. „Wie kann ich Ihnen helfen?“

„Ich such‘ den Herr Batic“, erklärte er ihr.

„Und Sie sind…?“ Sie schlug eine der Akten auf, die sie sich unter ihren Arm geklemmt hatte und Kalli erst jetzt auffielen
.
„Hammermann. Kalli Hammermann.“

Ihr Augen wanderten zwischen ihm und der Akte umher. „Sind Sie ein Angehöriger des Herrn Batic?“

„Nein.“

„Verwandter?“

„Nein.“

„Dann darf ich Ihnen leider keine Auskunft geben“, sagte Dr. Waldauf mit einem entschuldigendem Zucken ihrer Schultern und klappte die Akte zu.

Kalli zog seinen Dienstausweis hervor. „Ich glaube schon, dass das okay wäre. Ich hatte wirklich einen anstrengenden Tag und der Kollege auch…“

Die Ärztin blickte auf den Ausweis, den Kalli ihr vor die Nase hielt. Dann blinzelte sie und schaute kurz über ihre Schulter den leeren Gang hinab.

„Hat das mit einem Fall zu tun? Ist der Herr Batic ein wichtiger Zeuge? Oder braucht er Personenschutz?“, fragte sie zögerlich, konnte ihre Neugierde aber sichtlich schlecht zügeln.

Kalli musterte sie kurz. Viel älter als er konnte sie nicht sein. Fünf, maximal zehn Jahre vielleicht. Ihr erwartungsvoller Blick brachte ihn zurück ins Hier und Jetzt.

„Na, der ist ein Kollege. Der Fall ist abgeschlossen und nun möchte er sicherlich auch heim. Soweit das möglich ist.“

Die Möglichkeit, dass Batic vielleicht gar nicht in der Verfassung war nach Hause zu kommen, kam Kalli erst jetzt in den Sinn. Leitmayr hatte ihn geschickt, um Batic abzuholen und Kalli hatte nicht einen Gedanken daran verschwendet, ob das denn überhaupt so einfach ginge. Hoffentlich musste Batic nicht über Nacht hierbleiben und er war ganz umsonst ins Krankenhaus gefahren. Kalli zuckte innerlich zusammen über diesen egoistischen Gedanken. Es ging hier schließlich um die Gesundheit seines Kollegen! Die war wohl doch etwas wichtiger als sein Schönheitsschlaf!

Dr. Waldauf räusperte sich und riss ihn aus seinen Gedanken. Kalli spürte Hitze in seine Wangen steigen.

„Entschuldigen Sie. Es war wirklich ein langer Tag…“

Sie blickte ihn mitfühlend an, ihre nächsten Worte zerrten dennoch sehr an Kallis ohnehin kaum noch vorhandenen Nerven
.
„Es tut mir leid, Herr Hammermann, aber dann sehe ich keinerlei Grund, weshalb ich für Sie eine Ausnahme bezüglich der Schweigepflicht machen sollte. Gesetze gelten für jeden gleich, das sollten gerade Sie doch wissen, Herr Kommissar.“

„…das ist jetzt nicht ihr Ernst, oder?“

„Sehen Sie…Das ist mein erster Tag hier und ich möchte nicht gleich damit auffallen, eigenmächtig irgendwelche Ausnahmen gemacht zu haben. Es tut mir wirklich leid. Sie werden wohl warten müssen, bis Ihr Kollege wieder klar ist und morgen entlassen wird.“

Das durchdringende Piepsen ihres Melders machte einen weiteren Überzeugungsversuch unmöglich. Kalli konnte nur hilflos mit ansehen, wie sich die junge Ärztin von ihm abwand und den Gang heruntereilte.