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Mit Essen gehen, Kerzenschein und Ring ... vielleicht

Summary:

Der Tag der Hochzeit ist endlich gekommen und mit ihm Adams Hoffnung darauf, bald nichts mehr von diesem Quatsch mitbekommen zu müssen. Die Vorbereitungen hatten sich gezogen und gezogen und ob er wollte oder nicht, wurde Adam ständig involviert. Von diesem ganzen Getue drum herum hält er eben nichts.

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Adam, Leo, eine Hochzeit und ein Antrag.

Notes:

Das Hochzeitsfieber im Discord ist ausgebrochen und ich hab mich angesteckt.
Hoffe, es gefällt euch, was ich aus dem Prompt gemacht hab. :)

Der Titel wurde inspiriert von den Antrag- und Hochzeits-Fanfics von
Writing Owl, hier und hier.

Tom und sein Nachname kommen von wegoodandevilthings aus dieser fantastischen Tom-POV-Fanfic.

Work Text:

Der Tag der Hochzeit ist endlich gekommen und mit ihm Adams Hoffnung darauf, bald nichts mehr von diesem Quatsch mitbekommen zu müssen. Die Vorbereitungen hatten sich gezogen und gezogen und ob er wollte oder nicht, wurde er ständig involviert.
Natürlich freut er sich für Caro und Tom. Er ist schließlich, entgegen bester genetischer Voraussetzung, kein gefühlskaltes Arschloch. Aber von diesem ganzen Getue drum herum hält er eben nichts.

Caro hatte sogar darauf bestanden, dass die enge Verwandtschaft mit ihr die Farben ihrer Kleidung abspricht, damit es ein bestimmtes Farbspektrum auf den Fotos gibt. Adam war so kurz davor gewesen, abzusagen und ihren ewigen Groll auf sich zu nehmen, als sie vorgeschrieben hat, dass Adam hellblau und Leo rot tragen sollte. Nebeneinander sehen sie nämlich absolut lächerlich aus, wie Adam direkt gemeckert hatte. Selbst wenn Leo dieser rote Anzug so hervorragend steht, dass Adam ihm den gleich nochmal ausziehen musste, bevor sie losgefahren sind.
Gut, dass Leo genug Zeit einplant, sonst wären sie nicht mehr pünktlich gewesen.

Womit Adam aber kein Problem gehabt hätte. Denn schon vor der Kirche würde er am liebsten kehrt machen, einfach schnell abhauen und sich für einen entspannten Tag mit Leo auf dem Sofa verkrümeln. Ohne die farbigen Anzüge… oder viel Kleidung allgemein.
Der Eingangsbereich ist zugestellt mit Ballons in gold-weiß und künstlich parfümierten Blumen und Adam schaut sich ständig argwöhnisch um, ob gleich schon weiße Tauben durch die Gegend fliegen, die ihn zur Feier des Tages noch ankacken könnten.
Der Hochzeitsfotograf ist ein lebendiges Klischee, fängt die zwei Hüüübschen ab, bevor sie die Kirche betreten können. Zwingt sie zu einem gestellt grinsenden Foto vor einer Wand, auf der sie dem Brautpaar Glückwünsche schreiben sollen. Leos gezischtes „Wehe!“ und ein Stoß mit dem Ellbogen in Adams Seite sind das Einzige, was ihn von seiner ehrlichen Meinung abhalten.
So gern er Caro mittlerweile mag, so sehr verabscheut er dieses übertriebene Brimborium, für das sie ein Vermögen gezahlt hat. Noch dazu wird das Geld hauptsächlich für die Bespaßung anderer Leute verwendet, was Adam am wenigsten nachvollziehen kann. Man hätte es so viel besser investieren können, bei Bärenland zum Beispiel. Oder um Weniger von der Polizeidienststelle zu bestechen, dass er Adam und Leo diesen freien Tag nicht genehmigt. Alles bessere Optionen, die sich auf Dauer gelohnt und nicht nur einen einzigen Tag angehalten hätten.

In der Kirche werden sie von einer Kakophonie aus disharmonischen Orgeltönen begrüßt, die der Pfarrerssohn aus dem Instrument quält. Wahrscheinlich billiger als ein Profi, irgendwo musste Caro wohl was einsparen. Wenigstens keine Geigen oder schlimmer, eine Harfe. Adam schaudert bei dem Gedanken an Harfen-Interpretationen von schnulzig-unpersönlichen Liebesliedern, greift schnell Leos Hand und geht zu ihrem zugewiesenen Platz auf einer der Holzbänke bei Familie Hölzer, gleich in der ersten Reihe.

Bald darauf sitzen alle Gäste und Pachelbels Kanon in D tönt kaum zu erahnen auf der Orgel durch die Kirche, während Caro im Brautkleid von ihrem Vater hineingeführt wird. Bei der Kleidersuche waren Adam und Leo natürlich auch gezwungenermaßen vor Ort gewesen, daher muss Adam sich nicht unbedingt den Kopf verrenken, um sie anzuschauen.

Der Pfarrer lässt das Standardprogramm laufen und Adam schaltet gedanklich ab. Erst als Leo neben ihm etwas fester sein Bein an Adams drückt, hört er richtig zu.
Ah, da kommt das Eheversprechen. Adam hatte mitbekommen, dass Leo Caro geholfen hat, die Worte zu schreiben, als sie an einem Nachmittag unangekündigt völlig verheult vor ihrer Wohnungstür stand und zugab, vollkommen überfordert zu sein; mit allem und besonders mit dem Finden von den richtigen Worten für ihren Zukünftigen. Da hatte Adam sich ausnahmsweise den besserwisserischen Kommentar verkniffen und nur Leos schwer zu deutenden, besonnenen Ausdruck beobachtet, während der seine Schwester nach anscheinend erfolgreichem Geschreibe verabschiedete.

Muss sich also gelohnt haben, darum spitzt Adam jetzt die Ohren.

„Tom, mein Liebling, mein liebster Kuschelbär.“ beginnt Caro, die offensichtlich mit Mühe die Tränen zurückhält. Tom versucht es gar nicht erst und glotzt sie dabei absolut verliebt über beide Ohren an.
Ein allgemeines Oooh geht durch die Gästereihen und auch Leo scheint berührt.

Ernsthaft? Das haben die zwei da ausgearbeitet? Adam hebt skeptisch eine Augenbraue und schnaubt leise. Auf sowas wäre selbst er gekommen.

Caro fährt fort: „Als wir uns kennengelernt haben, hätte ich nie daran gedacht, dass wir eines Tages mal hier stehen würden.“

Bla, bla. Unbeeindruckt verdreht Adam die Augen. Peinliche Kosenamen und Floskeln, er hätte Leo da wirklich mehr zugetraut. Früher konnte er sich die besten Geschichten ausdenken, mit seinen Worten ganze Welten erschaffen und Adam weit weg von der unschönen Realität auf Reisen schicken. Mit jedem seiner Worte hatte er an Leos Lippen gehangen, bloß damals nie so, wie er sich heimlich danach gesehnt hatte.

„Ich hatte meinen Job verloren, gerade eine lange Beziehung beendet und geschworen, mich erstmal nur um mich zu kümmern. Und dann kamst du plötzlich in mein Leben und es war, als füge sich etwas, von dem ich nicht wusste, dass es existiert.“

Okay, schon besser. Adam hat keine Ahnung, unter welchen Umständen Caro und Tom sich kennengelernt haben, denn bei jeder dramatischen Ausführung ihrer Geschichte setzte er effektiv Nicken und Lächeln ein, während sein Kopf woanders war.
Dass es für Caro nicht gut lief und Tom ihr da rausgeholfen hat, wusste er nicht. Adam kann diesen Punkt aber mittlerweile sogar nachvollziehen, denn er selbst hat ja jetzt Leo. Auf genau die Art, auf die er ihn immer wollte. Schon damals, als er jünger und viel kaputter war, als er es heute noch ist. Seit er Leo nun hat, ist es, als helfe Leo ihm dabei, die kaputten Teile in Adam zu reparieren und neue, bessere, schönere Teile zu hinterlassen. Mit jedem Kuss, jedem Blick und jedem Wort entsteht etwas Neues, entsteht dort Liebe in Adams Leben, in seinem Herzen. Dass Adam jemals so fühlen würde, hätte er niemals gedacht. Und das liegt alles an Leo, der ihn beim Heilen und Wachsen unterstützt. So wie Adam sich ebenfalls Mühe gibt, es für Leo genauso zu tun.
Er wirft Leo einen Blick zu. Caro hat sie hier zu Leos Familie gesetzt, als wäre Adam schon wie selbstverständlich ein Teil davon. Adam erwischt sich dabei, dass seine Augen plötzlich feucht werden, während er Leo von der Seite anschaut. Schnell guckt er wieder nach vorn.

Caro spricht weiter: „Ohne dich gäbe es diese Caro nicht, die hier heute stehen und glücklich sein darf, weil du hier bei mir bist.“

Adam schluckt schwer. Ohne Leo gäbe es überhaupt keinen Adam, der hier heute sitzt. Ohne Leo hätte Adam schon längst aufgegeben. Sich im beschissenen Berlin das Hirn weggesoffen und zugekokst, bis er irgendwann wahrscheinlich auf dem siffigen Klo eines zwielichtigen Clubs draufgegangen wäre. Im Glauben, dass es eh das Beste wär, was ihm passieren könnte. Lieber gar nichts mehr fühlen als diese verdammte Einsamkeit, die ihn an jeden noch so schönen Ort der Welt verfolgt hatte, an dem er vor seinen Gefühlen davonzulaufen versuchte.
Im Unwissen, dass er eines Tages so viel Glück empfinden dürfen würde. Dieses Glück mit Leo, bei Leo, wegen Leo. Manchmal ertappt er seine Gedanken dabei, sich auszumalen, wie es wäre, wenn er dieses Glück sein Leben lang haben dürfte.
Vor seinen Augen verschwimmt alles. Eine einzelne Träne entweicht ihm und er wischt sie mit einer fahrigen Bewegung weg. Reiß dich mal zusammen, hier geht es nicht um dich, versucht er, sich einzureden.

Caro ist nämlich nicht fertig.
„Ob als mein Partner, bester Freund oder Ehemann, du ermutigst mich immer dazu, so sein zu dürfen, wie ich möchte. Du erlaubst mir, wirklich anzukommen. Ich bin dir unendlich dankbar für jede Sekunde, in der du mir das Gefühl gibst, dass ich genug bin. Genug für dich und auch für mich.“

Leo, Leo, Leo. Alles, woran Adam denken kann, ist Leo.
Der hat diese Worte mitverfasst, von denen sich jedes Einzelne tief in Adams Herz bohrt. Bis der undurchdringbar geglaubte Panzer darum einfach zerbricht, als wäre es nichts. Und Adam kann die Tränen nicht mehr aufhalten.
Leo wäre immer genug für ihn. Egal, wie fertig, wie gereizt vom Job und dem Lärm in seinem Kopf, das nimmt Adam alles genauso an, wie er Leo in den anderen Momenten nimmt. In denen, wenn Leo ihm nachts im Arm liegt und ihm Zärtlichkeiten ins Ohr flüstert. Wenn er Adams eigenen Lärm im Kopf mit seiner bloßen Anwesenheit leiser macht. Wenn Adam an allem und jedem zweifelt, außer an Leos Gefühlen für ihn, weil Leo ihn daran nicht mehr zweifeln lässt.

„Ich liebe dich, Tom Nonnenmacher und zukünftiger Hölzer. Ich kann mir kein größeres Geschenk vorstellen, als mit dir verheiratet mein Leben zu verbringen.“

Caro lächelt und wischt sich die Tränen vom Gesicht, aber Adam hört gar nicht mehr zu.
Er kann nicht mal wie sonst neckend über Toms Nachnamen lachen, weil er so abgelenkt ist. Richtig, Tom nimmt sowieso Caros Namen an. Adam würde es bei Leo genauso tun, ohne einen weiteren Gedanken darüber zu verlieren.
Adam Hölzer. Adam und Leo Hölzer.
Fuck, fast hätte er laut geschluchzt. Stattdessen legt er eine Hand vor seinen Mund und versucht, das Beben seiner Schultern unter Kontrolle zu kriegen. Den Tränenfluss kann er eh nicht stoppen.
Adam Hölzer, der mit Leo Hölzer das Bett, die Wohnung, den Namen, sein ganzes Leben teilt. Als Leos Ehemann. Und Leo als seiner.
Leo Hölzer, sein Ehemann. Wieso wusste Adam bis gerade nicht, wie sehr er das will? Wie konnte er das jemals nicht gewollt haben? Es scheint ihm völlig logisch, er und Leo, für immer, einander versprochen. Nichts war ihm je erstrebenswerter als diese Bindung, diese vollständige Hingabe an diesen Mann. Der ultimative Beweis dafür, dass Adam nie mehr davonläuft.
Angestrengt atmend starrt er weiter nach vorn, wo Caro und Tom sich küssen und vor Adams nassen Augen nicht mehr zu erkennen sind. Alles, was er sieht, sind er selbst und Leo. Vereint in einem Kuss, nachdem sie sich das Ja-Wort gegeben haben.
Diesmal kann er das Schluchzen nicht mehr unterdrücken. Hektisch atmet er ein und aus, sein gesamter Oberkörper zittert, die Tränen tropfen auf seine Hose.

Er spürt, wie Leo sich neben ihm bewegt und dann liegt Leos Hand auf Adams Oberschenkel.
„Hey, du weinst ja.“ flüstert Leo, ganz sanft und hörbar überrascht, aber kein bisschen spöttisch. Seine andere Hand legt sich behutsam an Adams Wange und streicht sanft eine Träne fort.

Adam kneift für einen Moment die Augen zu und als er sie öffnet, hält Leo ihm ein Taschentuch hin. Er nimmt die Hand von seinem Mund und greift nach dem Taschentuch, wischt seine Wangen und Augen trocken und schiebt das Tuch in seine Hosentasche.
Einmal durchatmen. Danach legt er seine zittrige Hand auf Leos, schiebt seine Finger in die Zwischenräume von Leos Fingern. Leo rutscht ein Stückchen näher an ihn heran. Aus dem Augenwinkel kann Adam erkennen, dass er lächelt.
Er senkt den Blick und sieht auf ihre Hände auf seinem Oberschenkel, streicht sacht über Leos Ringfinger. Dort würde Leo seinen Ring tragen, der ihn auf ewig mit Adam verbindet.
Ein erstickter Schluchzer lässt Adam heftig zusammenzucken.

Leo dreht ihm daraufhin nochmal den Kopf zu.
„Alles gut?“ flüstert er wieder und drückt seine Finger um Adams.
In Leos Augen spiegelt sich so viel Wärme und Zuneigung, dass die Wasserfälle in Adams nur stärker angeregt werden. Er beugt sich zu Leo herüber und drückt ihm einen schnellen Kuss auf, ehe die Orgel erneut gequält wird und die Gäste aufstehen.

Die Feier nach der Trauung läuft wie ein Film an Adam vorbei, er bekommt kaum etwas mit. Sein extra großes Stück Torte rührt er kaum an, wofür Leo ihm beinah besorgte Blicke zuwirft. In seinem Kopf ist viel zu viel los, mit dem er umgehen muss.

Nach dem Hochzeitstanz von Caro und Tom entschuldigt er sich auf die Toilette.
Im Spiegel der Waschräume starrt er sein Gesicht an, die vom Weinen geröteten Augen, in denen er seinen gefassten Entschluss klar erkennen kann. Er will Leo heiraten. Im Leben hätte er nie damit gerechnet, dass Adam jemals über eine Hochzeit spekulieren würde, nicht mal für Steuervorteile. Dass er jemals so glücklich sein könnte, Heiraten überhaupt in Betracht zu ziehen. Die Erkenntnis zwingt noch ein Schluchzen aus ihm heraus.
In einer Kirche müsste er nicht unbedingt heiraten, außer, Leo möchte das. Muss man dafür Mitglied in der Kirche sein? Adam war damals direkt ausgetreten als er die Möglichkeit hatte. Mit Katholizismus kann er herzlich wenig anfangen, sich schuldig fühlen kann er auch ohne Glauben dahinter gut genug. Am Tag seiner eigenen Hochzeit will er sich ganz bestimmt nicht schuldig fühlen. Solche Dinge könnte er dann gar nicht fühlen, wenn Leo vor ihm steht und Adam ihm einen Ring überstreift.
Aber bis dieser Tag Realität werden kann, fehlt ein wichtiger Schritt. Und da Adam noch nie der geduldigste Typ war, wird er den heute wohl spontan machen.
Ungläubig kopfschüttelnd über seine eigene Entschlussfreudigkeit verlässt er die Waschräume und geht erstmal eine rauchen. Oder gleich zwei. Vor Aufregung eine Dritte.

Danach läuft er schnurstracks auf Leo zu, der am Rande der Tanzfläche steht und etwas verloren aussieht. Adam fasst ihn leicht am Arm und schaut ihn eindringlich an.
„Komm mal kurz mit, bitte.“ Sein Ton lässt keine Widerrede zu.
Er wartet kaum auf eine Reaktion, zieht Leo beinah hinter sich her, bis sie draußen in irgendeiner schlecht beleuchteten Ecke etwas Privatsphäre finden. Nicht die romantische Location, die Adam ihm gern bieten würde, aber er kann einfach nicht länger warten. Das muss jetzt raus.

Adam atmet langsam tief durch und geht vor Leo auf die Knie.

Leo zieht scharf die Luft ein und versucht sofort, Adam am Arm hochzuholen.
„Ey, nicht dein Ernst! Auf der Hochzeit meiner Schwester bin ich echt nicht in Stimmung, vor allem nicht in der Öffentlichkeit-“
Er klingt entrüstet und Adam ist fast gekränkt, dass Leo gerade ernsthaft mit einem Blowjob im Freien gerechnet hat. Was er vor hat, ist so viel besser als das. Was er vor hat, jagt ihm eine tierische Angst ein. Dafür braucht er viel mehr Mut als je zuvor.

„Halt mal die Fresse jetzt und hör zu, ist nicht was du schon wieder denkst.“ verlassen die Worte Adams Mund, bevor sein Filter dazwischengehen konnte.
Er räuspert sich verlegen, so hat er sich die Einleitung nicht vorgestellt. Zugegeben, er hat sich gar nichts so richtig vorgestellt, ist bloß diesem extrem starken Impuls nachgegangen, aber ein bisschen liebevoller wär’s schon besser. Das hat Leo schließlich verdient.
Also nochmal räuspern und neu versuchen.

„Leo, mein… äh… Liebster. Schatz? Fuck, das ist doch scheiße, das geht so nicht.“
Frustriert fährt er sich durchs Haar. Irgendwie kam ihm sein Zehntel eines Plans in seinem Kopf leichter umsetzbar vor.

Leo seufzt und verschränkt die Arme, blickt Adam unsicher an.
„Adam, was zur-“

„Shhh, jetzt“, unterbricht Adam wieder, „Also, Leo. Mein Leo.“
Ja, sein Leo, der ihn mittlerweile leicht genervt irritiert anschaut, mit seinen wunderschönen grünblauen Augen, die immer ein wenig traurig scheinen, selbst wenn er lacht. Vielleicht schafft Adam es ja eines Tages, dass das Lachen gewinnt. So, wie Leo das bei ihm allmählich auch schafft.
„Gib mir mal deine Hand und guck nicht so abgefuckt, ich schwör, das macht hier gleich Sinn.“ fordert Adam auf und Leo rückt langsam seine Hand raus. Adam ergreift sie und küsst sanft seinen Handrücken, hält Leos Hand fest mit beiden seiner eigenen Hände. Hofft, dass die Hand ihm hilft, weniger zu zittern und etwas von der Aufregung von ihm nimmt.

Aber noch genauso zittrig atmet er nochmal tief ein und aus, überlegt wenigstens ein paar Worte, bis er weiterspricht.
„Leo, Baby, du hast ja keine Ahnung, was du mit mir machst. Schleppst mich hier mit zu diesem Zirkus und ich Idiot dachte, das lässt mich eh alles total kalt, aber… fuck, ich lag ja so dermaßen daneben. Ich brauch vielleicht nicht sowas, den geschmacklosen Kitschkram hier… aber ich will sowas.“
Mit einer vagen Handbewegung deutet er in die Richtung, in der er das glückliche Brautpaar vermutet, nimmt dann wieder Leos Hand.
„Das Gelübde, die Versprechen, mit dir. Ich musste die ganze Zeit nur daran denken, wie es wär, da vorn mit dir zu stehen und wie sehr ich das will.“

Er muss kurz Auflachen über die Absurdität dieser Situation, wie sehr sein Herz klopft und ihn daran erinnert, was er gerade tut. Wie ihn jeder Herzschlag darin bestätigt, dass er es will.
„Glaub mir, das überrascht niemanden mehr als mich.“
Er schaut Leo direkt in die Augen und versucht ein aufmunterndes Grinsen, um die Stimmung etwas zu lockern.

Die Falte zwischen Leos Augenbrauen zieht sich erst zu und verschwindet schließlich. Sein Ausdruck wird unlesbar, wie jedes Mal, wenn er verunsichert ist und nicht weiß, wie er reagieren soll. Aber seine Augen werden direkt weich und fixieren Adam. Adam meint, in ihnen sogar etwas Vorfreude zu erkennen.
Scheiße, er liebt diesen Mann so sehr. Er braucht einen kurzen Moment, um sich zu sammeln, bis er weitersprechen kann. Seine Hände sind verschwitzt und die Tränen drängen ihm schon wieder in den Augen.

Bevor sie fließen, muss er das erst noch loswerden. Also weiteratmen, Worte finden.
„Ich will morgens aufwachen und wissen, dass du immer da neben mir sein wirst, weil du‘s mir gelobt hast und ich dir genauso. Ich will jeden Tag nach Hause kommen, zu dir, weil du mein Zuhause bist, egal wo. Scheiße, das klingt so bescheuert kitschig, aber Leo, du bist der erste Mensch, der mir gezeigt hat, was lieben und geliebt werden wirklich bedeutet.“

Plötzlich ist da ein Kloß in seinem Hals, den Adam herunterschlucken muss, bevor er weiterreden kann. Seine Stimme klingt rauer mit den nächsten Worten, so rau wie seine Nerven sich anfühlen, die alle aktiviert zu sein scheinen.
„Und ich weiß genau, dass ich diese Liebe, diese verdammt riesig große Liebe für dich, jeden Tag meines Lebens fühlen werd. Auch wenn du alt und runzlig und trotzdem wunderschön bist und mir die Haare längst vom Blondieren ausgefallen sind.“
Verdammt, das war auch nur halb romantisch. Aber Adam muss sich trotzdem zusammenreißen, die Tränen zurückzuhalten, die ihn zum zweiten Mal heute unnachgiebig überwältigen wollen.

Seine Hände streicheln Leos und sein Herz klopft mittlerweile so stark, dass er wahrscheinlich jeden Moment vor Nervosität umkippt. Adam atmet wieder tief ein und blinzelt die Tränen weg, die immer drängender werden.
„Ich will ‘nen Ring tragen, damit mich Leute nach meinem Partner fragen und ich vor Glück und Stolz fast platze, weil ich…“
Er schluckt, blinzelt stärker gegen die Tränen an.
„Weil ich von dir erzählen darf. Ich will, dass du den gleichen Ring trägst, damit alle sehen können, dass wir zusammengehören. Ich hab nämlich nicht vor, dich jemals gehen zu lassen oder selbst nochmal zu gehen, nie wieder.“

Adam braucht eine Pause. Diese Stelle ist wichtig, die muss Leo verstehen. Um das zu verdeutlichen, schaut Adam ihm noch intensiver in die Augen, setzt auf die stumme Kommunikation zwischen ihnen. Und Leo nickt, versteht. Adam schluchzt.
„Nie wieder.“ wiederholt er, bemüht um eine feste Stimme.
„Auch wenn mir das alles trotzdem ’ne scheiß Angst einjagt, weil wir beide noch so kaputt sind und ich das nicht verkacken darf, kein zweites Mal. Aber mein kaputt und dein kaputt passen so lächerlich perfekt zusammen und ich hätte nie geglaubt, dass ich mich mal so fühlen darf wie mit dir… so unfassbar, unwirklich glücklich und…“

Und… Adams Kopf ist plötzlich leer. Fuck, da fehlt doch das Wichtigste, wieso fällt ihm nichts mehr ein? Statt Worten verliert er ein paar Tränen und küsst nochmal Leos Handrücken, der schon wegen Adams Händen schwitzig ist. Komm schon, Hirn, nicht jetzt hängen lassen!

„… und so halt.“ überbrückt er schwach die Stille. Leos Mundwinkel zucken kurz nach oben.

Adam würde ihn nun einfach gern küssen, aber er ist ja nicht fertig.
„Weil ich mich nur mit dir vollständig fühle und ich einfach weiß, dass wir gut füreinander sind. Dass das mit uns richtig ist und es für mich nichts Richtigeres gibt, als dich an meiner Seite zu haben und an deiner zu stehen.“
An dieser Stelle drückt er Leos Hand und beginnt, erneut über seinen Ringfinger zu streicheln.
„Und ich will, dass das alle wissen, die ganze beschissene Welt da draußen, vor der du mir diese Angst nimmst. Leo, ich liebe dich, ich will, ich kann nie wieder ohne dich sein. Heiratest du mich?“
Oh, da kam es schon. Also kein dramatischer Aufbau mit großem Finale. Egal, es zählt nicht die Größe der Geste, sondern wie ernst man es meint. Und Adam meint es vollkommen ernst, aus den vollen Tiefen seines halb verkümmerten Herzens. Er hat noch nie etwas in seinem Leben so ernst gemeint wie diesen Antrag, diese Beziehung mit Leo. Diese überwältigenden Gefühle, die Adam für ihn hat.

Leo schweigt. Auf seinem Gesicht kann Adam weiterhin nichts ablesen.
Adam weiß genau, was gerade in seinem Kopf abläuft. Jetzt will Adam plötzlich selbst heiraten? Adam, der jede Gelegenheit für einen dummen Kommentar nutzte, wenn Caro mal wieder nach Meinungen über Schriftarten auf Tischkärtchen, die Farbe von Blumenbändern oder sonst was gefragt hat. Der kein Geheimnis daraus gemacht hat, wie überzogen und albern er das alles findet, weil es laut ihm doch reichen muss, wenn beide Beteiligten um die Liebe zueinander wissen. Zur Kuchenprobe war er zwar freiwillig mitgekommen, aber immer noch schwer enttäuscht darüber, dass Caro sich nicht für den Schokotraum mit M&Ms und Gummibärchen entschieden hat.
Moment.

„Und ich will dann diese geile Torte, das wird meine Hochzeit, mir egal, ob die anderen Leuten schmeckt. Außer Babsi vielleicht, ihre Meinung zählt, aber sie kann ruhig selbst was extra backen.“ Eine original Babsi-Eierlikörtorte dazu wäre die Krönung.
Erst jetzt bemerkt Adam, dass er schon längst so richtig weint. Nicht, dass Leo ihn vor lauter Heulen gar nicht verstanden hat?
„Sagst du mal was?“ schnieft er. Besser nochmal nachfragen.

Leo blinzelt.
„Adam, bist du betrunken? Wieviel Sekt hattest du?“ fragt er vorsichtig und leise.

Adam macht ein verzweifeltes Geräusch und schüttelt den Kopf.
„Scheiße, Leo, ich war noch nie so nüchtern, nimm das doch mal ernst jetzt!“
Die paar Gläschen zur Beruhigung seiner Nerven, da war eh kaum was drin. Wenn überhaupt, ist er trunken vor Liebe für diesen wunderbaren Mann, der ihn weiterhin bloß anschaut wie ein Auto.
„Ich liebe dich, ich will dich für immer und so weiter und all das drum herum. Ich will deinen Nachnamen tragen, ich will Teil deiner Familie werden, ich will deine Familie sein, so richtig offiziell. Aufm Perso und einem von diesen selbst gemachten Salzteig-Schildern mit unseren Namen drauf neben der Klingel.“
Nun fängt er schon wie blöd an zu Brabbeln, was ihm so in den Sinn kommt, nur um seine unerträgliche Nervosität zu überspielen. Wieso sagt Leo auch nichts Vernünftiges und erlöst ihn endlich?

Der schluckt sichtbar und räuspert sich.
„Nimm den Kuchen, von mir aus streu M&Ms statt Blumen auf die Wege, wenn du Spaß dran hast.“
Er schenkt Adam ein sanftes Lächeln, in dem schon so viel Liebe steckt, dass Adams Tränen unaufhaltsam weiterfließen.
„Aber wenn uns jemand so‘n Salzteig-Ding schenkt, schmeiß ich das direkt weg, das kommt mir weder in noch ans Haus. Das wird unsere Hochzeit, da hab ich ja wohl auch was mitzureden, wenigstens bei den Geschenken.“

Das hat Leo sich von all dem gemerkt? Hat Adam es so sehr versaut?
„Was hast du gegen-“
Verunsichert will er seine Hände von Leos Hand lösen, aber Leo hält ihn sofort fest. „Warte, ist das ein Ja?“ dämmert es ihm schließlich.

Leos Lächeln wird noch breiter, noch sanfter und Adam stirbt gleich wirklich am Herzstillstand vor lauter Freude.
Natürlich ja, was denkst du denn. Ich will dich heiraten. Aber steh lieber wieder auf, ich glaub, du kniest da in irgendwas.“

Nicht zu fassen. Adam heult hier auf den Knien vor ihm und schüttet ihm sein Herz aus und Leo lässt ihn erst zappeln und ruiniert dann die Stimmung. Er spürt, wie sein Mund vom Grinsen fast weh tut. So ein undankbarer Idiot, sein Idiot, und das bald für immer.
„Man, Leo, sei doch mal romantischer, du-“

Weiter kommt er nicht, denn Leo zieht ihn mit Schwung hoch auf die Beine, zu sich ran und legt seine Hände an Adams Hals. Schaut ihn erst liebevoll an und küsst ihn langsam und innig. Ihre Lippen werden feucht von Adams Tränen, die kein Ende zu nehmen scheinen. Genauso wenig wie seine Glücksgefühle. Dieses High ist nicht zu vergleichen mit irgendwelchen Drogen, viel, viel besser. Erfüllender, echter.

Für eine Atempause lösen sie sich voneinander und Leo drückt Adam fest an sich, umklammert ihn geradezu. Adam umschlingt ihn ebenso fest und legt seinen Kopf auf Leos Schulter ab, weint in den roten Stoff seiner Anzugjacke. Weint vor Erleichterung, vor Liebe und Glück und all den Emotionen, die er sich in diesem Ausmaß nicht mal zu träumen gewagt hätte.
Adam weint, bis keine Tränen mehr kommen und er nur noch leise schluchzt. Erst dann lockert Leo ihre Umarmung, hebt Adams Kopf vorsichtig für einen letzten zarten Kuss und tritt einen Schritt zurück.
Adams Hand hält er weiterhin in seiner und schwenkt beide Hände leicht vor und zurück.
„Wir erzählen aber erstmal nichts, okay? Heute ist Caros Tag.“

Adam muss sowieso erstmal sacken lassen, dass das eben tatsächlich passiert ist. Dass er und Leo nun verlobt sind. Er könnte gar nicht darüber reden, dieser Moment soll ihnen allein gehören.
„Klar.“

Nur widerwillig läuft er gemächlich mit Leo an der Hand los, zurück zur Hochzeitsfeier von Caro und Tom. Das ständige Heulen hat ihn erschöpft, er würde zu gern einfach nach Hause fahren und mit Leo ins Bett gehen. Friedlich an ihn gekuschelt einschlafen und morgen früh mit dem Gedanken daran aufwachen, dass Leo bald sein Ehemann wird. Wobei, vorher sollten sie das definitiv ordentlich feiern.
„Aber später gibt‘s Verlobungs-Sex, ich will dich noch die ganze Nacht Ja sagen hören.“
Sein verweintes Grinsen wirkt bestimmt nicht so unwiderstehlich, wie Adam es gern hätte, aber das ist egal. Leo hat er ja schon von sich überzeugt.

Der verdreht die Augen, aber kann sich das eigene Grinsen nicht verkneifen.
„Die Ganze? Hast du plötzliche Superkräfte entwickelt, von denen ich nichts weiß?“

Adam lacht auf. Von wegen Superkräfte, natürlich hält er die ganze Nacht durch, wenn er das möchte!
„Fresse halten, echt, ist ja schlimm mit dir, da gibt man sich schon Mühe-“

Leo bleibt plötzlich stehen und Adam fällt im Laufen ein wenig zurück, weil er von Leos Hand zurückgehalten wird.
„Halt jetzt mal selber die Fresse und komm nochmal her. Ich liebe dich und ich kann‘s ehrlich kaum erwarten, dich meinen Mann nennen zu dürfen.“

Und mit diesen Worten kommt Leo näher und legt seine Lippen für mehr Küsse auf Adams. Adam gibt sie ihm mit größter Freude.
Zwischen ein paar Küssen legt er seine Hände an Leos Gesicht und sieht ihn nachdenklich an.
„Wenn du möchtest, mach ich dir noch ’nen richtigen Antrag. Mit Essen gehen und Kerzenschein und Ring dazu. Dann hast du auch ‘ne schönere Geschichte, das ist anscheinend wichtig.“ flüstert er, damit sie niemand überhören kann.
Adams Daumen streicht über Leos Bart und sein Blick verliert sich beinah in Leos Augen.

Der schüttelt leicht aber entschlossen den Kopf.
„Nee, Adam, das war perfekt.“ flüstert Leo zurück.
„Alles, was du gemacht hättest, wär perfekt gewesen. Ich brauch kein Drumrum, erst recht nicht für die Geschichte. Ich brauch doch nur dich.“

Nur dich. Scheiße, fast muss er wieder heulen. Adam reißt angestrengt die Augen auf und blinzelt, um die Tränen zu verscheuchen. So viel zu weinen sollte rein körperlich gar nicht möglich sein.
Zur Ablenkung presst er seinen Mund diesmal wirklich ein vorerst letztes Mal auf Leos.

Hand in Hand kehren sie zurück zu den Feierlichkeiten. Mit der freien Hand wischt Leo an seinen Augen rum. Geht doch.
Adam weiß nicht, was mehr strahlt, ihre beiden Gesichter oder das riesige Herz aus Holz, das Caro und Tom gerade unter Applaus und Zurufen der Gäste anzünden. Was für ein affiger Mist schon wieder.
Auf ihrer eigenen Hochzeit will Adam auch ganz genau so ein Teil.